Solidarisches Netzwerk von Nachbarschaft und Gewerbetreibenden in Berlin-Kreuzberg

Über das NaGe-Netz

Unser Ziel ist die Solidarität zwischen den Menschen in der Nachbarschaft und den Gewerbetreibenden im Kiez.

FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum. „Kleinbildnegativ: Straßenfest, Oranienstraße, 1980“ Fotograf: Jürgen Henschel (1923-2012)

Kreuzberg steht unter Druck

Gerade in den bekannten „Geschäftsstraßen“ in Berlin-Kreuzberg (ehemalig SO36) herrscht massiver Verdrängungsdruck. Die Gewerbemieten in der Oranienstraße, der Reichenberger Straße und der Wrangelstraße sind in den letzten Jahren massiv angestiegen und sämtliche Quer- und Parallelstraßen ziehen ebenso an und macht auch nicht an Stadtteilgrenzen halt.

Die Forderungen der Immobilieneigentümer*innen sind oft jenseits dessen, was die bestehenden Gewerbe erwirtschaften können. Eine kleine Papeterie in der Oranienstraße sah sich mit einer Mietforderung von 70 €/qm konfrontiert. Keine Chance, solche Forderungen mit einem Geschäft zu erfüllen, das auf den Bedarf der umliegenden Anwohner*innen ausgerichtet ist. Tatsächlich stehen die sinkenden Umsatzentwicklungen der Läden auch den Steigerungsfantasien der Immobilienwirtschaft entgegen.

Einen Mieter*innenschutz für Gewerbe gibt es nicht. Es gibt noch nicht einmal ein definiertes Gewerbemietrecht, geschweige denn ein extra definiertes Mietrecht für soziale Einrichtungen. Unter dem Vorzeichen mangelnder Gewerbeflächen haben Vermieter*innen eine ungleich stärkere Position, die sie auszunutzen versuchen. Für die Betroffenen führen überhöhte Mietforderungen zur erzwungenen Verdrängung und damit oft zur Zerstörung ihrer gewerblichen wie persönlichen Existenzen. Das darf nicht sein!

Lebensqualität hat nicht nur mit lokaler Versorgungsqualität und dem Produktsortiment der Läden zu tun, sondern die Haltung der Menschen in den Läden, ist entscheidend für das „Kiezgefühl“.

Lokale Verankerung ist die Gesprächsgrundlage

Immer wieder geraten langjährig existente und florierende Geschäfte sowie soziale Einrichtungen (Kitas, Nachbar­schafts­vereine, etc.) durch extreme Miet­steigerungen unter Verdrängungs­druck. Leider ist zu sehen, dass sich die Bedrohungslage für lange bestehende Geschäfte sogar erhöht, weil bei diesen Betrieben oft noch relativ günstige Mietverträge existieren und auslaufen. Aber diese gewachsenen Strukturen sind unsere Kiezkultur, die wir nicht kampflos aufgeben!

Kleingewerbetreibende sind stark lokal verankert, ihre Angebote sind an den Ort angepasst und damit abhängig vom Fortbestand der Geschäftstätigkeit an Ort und Stelle. Sie sind integrativer Teil der Nachbarschaften und wichtige Stütze der sozialen Kontakte, weil sie durch die halböffentlichen Orte (Läden in EG-Lagen) und wegen ihrer persönlichen Vertrautheit mit den Menschen Vorort einzigartige und stabile Bindungen tragen und dadurch die Orte prägen. Die Läden im Kiez sind der Kiez!

Nachbarschaft entsteht im Sich-kennenlernen, das zu einem Sich-schätzen, Sich-füreinander-einsetzen wird.

Zusammenarbeit kann helfen

Aber nicht nur Gewerbetreibende sondern auch die Anwohner*innen können sich äußern und deutlich machen, dass sie genau hinsehen, wie sich Immobilien-Manager*innen verhalten. Insbesondere Menschen und Familien, die seit vielen Jahren im Kiez verwurzelt sind, Teil seiner gewachsenen Geschichte sind, dürfen nicht einfach wegen der Bodenspekulation und den Gewinnerwartungen von Immobilienfonds verdrängt werden. In den mietenpolitischen Initiativen hat sich darum eine Solidarkultur entwickelt, die über öffentliche Aktionsformate schon bei etlichen Fällen die Verhandlungen positiv für die Mieter*innen beeinflussen konnten. Der vielfältige Kreuzberger Kiez mit seinen vielen engagierten Menschen darin kann eine Art Schutzschild bilden. 

In dieser Situation hat die Vernetzung zwischen der Initiativen­arbeit engagierter Bürger*innen und den Klein­gewerbe­treibenden besondere Bedeutung. Die Verbindung der Interessen von Gewerbe­treibenden und Anwohner*innen kann Nach­barschaf­ten über alle sozialen oder andere Unterschied­lich­keiten hinweg solidarisch mobilisieren. Als diverse Gemeinschaft kann so politische Kraft erzeugt werden, die sich deutlich und wirksam gegen Verwertungs­interessen stellt. Dies in Selbsthilfe zu organisieren, ist unser Wille.

Das sind unsere Themen

Solidarität unterstützen 

  • Gemeinschaftsaktionen, Kundgebungen, Demos
  • Veröffentlichungen und Kampagnen
  • Offene Briefe

Ansiedelung beeinflussen

  • WebTech-Unternehmen und Filialen von Ketten verdrängen Kleingewerbe, Soziale Einrichtungen und Handwerker/innen
  • Eingreifen des Bezirks anstrengen
  • Bedarfsanalysen und Wunschproduktion
  • kritische Haltung zu Wirtschafts- und Tourismusförderung

Informationsaustausch organisieren

  • Infos über Bauprojekte im Umfeld, (Re)Aktionen auf/für Veränderungen 
  • Informationstransfer organisieren mit Veranstaltungen und der Ladung von Expert*innen
  • Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Teams
  • Kartierungen der Sozialräume 

Rechtliche Entwicklung vorantreiben

  • Gewerbemietrecht einführen und Schutzmechanismen einbauen
  • Extra Mietrecht für Soziale Daseinsfürsorge
  • Milieuschutz auf Gewerbe ausweiten
  • Transfer in den politischen Raum

SO36 und die beteiligten Initiativen