Solidarisches Netzwerk von Nachbarschaft und Gewerbetreibenden in Berlin-Kreuzberg

Shoxxxboxxx – Lehmbruckstr. 15 in Friedrichshain – eine Ateliergemeinschaft unter Verdrängungsdruck

Darstellung des Geschehens

SHOXXXBOXXX ist …

Bereits seit 2011 ein Teil der lebendigen, unabhängigen Künstlerszene in Friedrichshain. Abseits vom akademischen Ernst zeitgenössischer Kunst und arrivierten Mainstream Trends entstehen in der SHOXXXBOXXX Kunstwerke und Ideen, die sich aus sämtlichen Mitteln der urbanen, kreativen Szene speisen.

Die Künstlergruppe beschreibt weiter: Einflüsse von Street Art, Illustration, Fotografie aber auch Performance und Musik beflügeln und ergänzen sich und können auch mal zu einem großen Ganzen zusammenwachsen. Die hier aktiven Künstler und Künstlerinnen unterstützen sich gegenseitig mit Inspiration und Tatendrang und erhaschen somit immer wieder einen kleinen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Seit jeher entwachsen diesen kreativen Einflüssen auch kleine Events in der SHOXXXBOXXX. Mit Ausstellungen, Video-Abenden und Wohnzimmerkonzerten öffnen sich die Räume für ein lebendiges und unterhaltsames Beisammensein. Wobei die Neugierigen und Staunenden uns stets näher sind als die Bekehrten.


Aktuelle Fakten

  • 3 Künstler*innen (eine Hauptmieterin)
    • unterschiedliche Nutzungen – teils auch für Konzerte und Veranstaltungen Künstler*innen-Plattform 
    • Unbefristet Mietvertrag, 3 Monate Kündigungsfrist
  • Verwaltung neu seit Jan 2020 = Raumgold
    • Bisher Ansprechpartner Herr Richter (Verwalter) – nun ein Schreiben der neuen Geschäftsführung
  • seit ca. 8 Jahren französischer Eigentümer, die F2LB SARL vertreten durch Frédéric Leroux, 9 Rue la Bruyère, F-59510 Hem
    • davor “Paul Immobilien” und noch früher ein Familienbetrieb
  • die Miete soll von 5€/qm auf 15 €/qm steigen 
    • Erhöhung ab Juli 2021 falls es eine Einigung gibt
    • wenn nicht >> Ende des Mietverhältnis zu Ende September 2020
    • Gruppe hat „Verhandlungstermine“ vorgeschlagen

SHOXXXBOXXX ist …

Eine Ateliergemeinschaft. Nach Abschluss des Mietvertrages 2011 wurden die Räume in der Lehmbruckstraße 15 durch die Künstlerin Akiko Matsuura (Shou) mit viel Arbeit zunächst in eine gemütliche Atelier-Wohnung umgebaut, in welcher ihre zahlreichen Kunstwerke und Grafiken ein Zuhause fanden. Unter dem Namen SHOXXXBOXXX entwickelte sich daraus in den folgenden Jahren, dank der Hilfe und Liebe zahlreicher Wegbegleiter ein wichtiger Bestandteil der Friedrichshainer Urban-Art Kultur.

Eine anvisierte Mietsteigerung von 5€/qm auf 15 €/qm , d.h. eine Verdreifachung der Miete von einem Jahr auf das andere, bedeutet nichts anderes als geplante strategische Verdrängung, besonders unter dem Aspekt, daß ansonsten eine Kündigung bereits auf September 2020 erfolgen soll.


Nur ein paar Schritte entfernt vis-à-vis in der Lehmbruckstrasse 16 auf der anderen Straßenseite zeigt sich die drohende Gentrifizierung schon wie ein kaltes provozierendes Monument. Leere Balkone, geschlossene Jalousien, Klingelanlage mit Videokamera.



Exposé für die Eigentümer und die Hausverwaltung

In einer umfangreichen Selbstdarstellung wird deutlich wie übergreifend die Aktivitäten des Kulturkollektives sind und welch herausragende, auch soziale, Position inzwischen für den Kiez eingenommen wird. Kieznachbarn, die Kirchengemeinde, Kulturschaffende, alle bestätigen es. Umso erschütternder der Versuch der Verdrängung.

“Wir waren geschockt, als wir aus Ihrem Brief erfuhren, dass die jetzige Nettokaltmiete unserer Räume von 4,98 € auf 15,00 € um das Dreifach angehoben werden soll. Wir befürchten jetzt, dass diese Mieterhöhung unsere Aktivitäten bedroht. Wir sind nicht reich und leben nicht im Luxus (an Materielien), da wir alle als Selbstständige arbeiten, und die meisten von uns machen auch nicht kommerzielle Kunst. Dank der jetzigen Miete hatten wir die Freiheit zu experimentieren und damit mehr zur Berliner Kreativszene beizutragen. Diese Räume dienen seitdem nicht nur als unser Arbeitsplatz sondern auch als sozialer Raum und Plattform für in Berlin lebende gemeinnützige Künstler. Der Einfluss der Mieterhöhung wird daher nicht nur uns, sondern auch einen Teil der Kunst- & Kultur-szenen der Stadt betreffen. Hier wollen wir versuchen, uns und unsere Aktivitäten im Detail vorzustellen. So bekommen Sie ein persönlicheres, menschlicheres und genaueres Bild von den Menschen in diesen Räumlichkeiten, ihrer Arbeit und der Bereicherung, die sie darstellen für das Haus, deren Bewohner und das Umfeld”

Brief an die Hausverwaltung