Solidarisches Netzwerk von Nachbarschaft und Gewerbetreibenden in Berlin-Kreuzberg

Kurz-Doku zum Fachtag „Wrangelkiez für Alle!“ vom 06.10.2020 im Kiezanker 36

Wegen der schwierigen Situationen im öffentlichen Raum im Wrangelkiez haben 51 Fachtags-Teilnehmer*innen – vor allem aus der Nachbarschaft – am  06.10.2020 im Kiezanker 36 eine Reihe von lokalen Perspektiven diskutiert und gemeinsame Grundhaltungen, Lösungsansätze bzw. dringend benötigte Interventionen erarbeitet. 

Bizim Kiez Strassenversammlung am 8. Juni 2016

Hier eine kurze Zusammenfassung. Die ausführliche Dokumentation findet ihr auf der Website vom Kiezanker.

Zu sechs Themenschwerpunkten rund um einen „Wrangelkiez für Alle“ sind Nachbar*innen und Vertreter*innen von sozialen Einrichtungen, der Kitas und der Grundschule sowie Mitarbeiter*innen bezirklicher Fachbereiche (Amt für Soziales, Jugendamt) miteinander in Austausch gegangen. Eingeleitet haben den Austausch Impulse zu den folgenden Schwerpunktthemen:

  • Kinder und Jugendliche – Spielplätze/Nutzung öffentl. Raum
  • Hygiene und Gesundheit
  • Drogenkonsum und -handel
  • Sicherheit im Kiez
  • Müll und Straßenreinigung
  • Obdachlosigkeit im Kiez 

In kleinen Gruppen kamen die Teilnehmenden anschließend miteinander ins Gespräch. Wichtige Diskussionsgrundlage war es, bei allen Themen auch Perspektiven derjenigen mitzudenken, die nicht selbst beim Fachtag vertreten waren. Gemeint sind damit z. B. Kinder, Jugendliche, Ältere – aber auch obdachlose Menschen, die besonders verletzlich sind und deren Bedürfnisse nicht bzw. nicht ausreichend wahrgenommen werden.

Gemeinsame Ergebnisse und Grundhaltungen waren unter anderem folgende: 

  • mehr Angebote/Infrastruktur für obdachlose Menschen (Waschhaus, Toiletten, Arztmobil – allen zugängliche und regelmäßig gereinigte Sanitäre Einrichtungen – RECHT AUF HYGIENE)
  • mehr aufsuchende Sozialarbeit, psycho-soziale Arbeit und Beratung, mehrsprachige Vermittler*innen, Konfliktmoderator*innen (akuter Handlungsbedarf: Vertrag der Parkläufer läuft zum Monatsende aus, Arbeitsverträge der Straßensozialarbeitenden sind teilweise befristet bis Ende 2020) 
  • Keine Verdrängung, keine Räumung, kein Abbau von Aufenthaltsorten: dieses Vorgehen verlagert die Konflikte und Probleme ausschließlich in andere Bereiche im Kiez, auf andere Spielplätze, in andere Hauseingänge usw. Es bietet keinerlei Lösung für die Nachbarschaft als Ganzes und den Bezirk. Statt Bänke und Toiletten abzubauen oder Spielplätze und öffentlichen Räume abzusperren, sollen sie regelmäßig gepflegt und gereinigt werden. Probleme an die Polizei auszulagern, ist keine Lösung.
  • Mehr Transparenz: welche bezirklichen Strategien, welche Informationen, welche Gremien, welche Ansprechpartner *innen, welche Zuständigkeiten gibt es und wie können wir die von uns gewünschten Interventionen einbringen?
  • Mehr und regelmäßige Kommunikation: mit vielen Nachbar*innen sprechen und planen – regelmäßig! Abgestimmtes, langfristig sinnvolles Vorgehen mittels moderierter Steuerungsrunden.

Viele Menschen im Wrangelkiez sind bereit Solidarität zu zeigen und treten für ihre Anliegen ebenso wie für die der besonders schutzbedürftigen Gruppen ein. Dazu gehören Kinder. Dazu gehören aber auch obdachlose Menschen. Den Nachbar*innen ist sehr wohl bewusst, dass es rund um den öffentlichen Raum vielschichtige Nutzungskonflikte gibt. Daher ist ein moderierter und langfristiger Prozess mit dem Ziel eines breit getragenen, solidarischen Handelns unbedingt notwendig.

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