Solidarisches Netzwerk von Nachbarschaft und Gewerbetreibenden in Berlin-Kreuzberg

#Volle Breitseite für die Oranienstraße 25 – Performances, Songs, Redebeiträge im Sommer 2020 vor dem bedrohten Kulturstandort

Die kooperierenden Initiativen, die aktiv für den Erhalt des Kulturstandort Oranienstr. 25 zusammenarbeiten, haben eine Reihe von ineinander greifende Kampagnenteile erarbeitet. Im Pandemie-Sommer des Jahres 2020 wurde u.a. eine 14-tägige Protestkundgebung auf der Straße ins Leben gerufen, zu der mit abwechslungsreichem Kulturprogramm und Redebeiträgen eingeladen wird. Die übergreifende Problematik der Kündigung von wichtigem Kleingewerbe, wie auch sozialen Einrichtungen und damit der trotz dem Coronavirus weitergehende Ausverkauf der Kieze, wird im Rahmen der Kampagne vor dem Kulturstandort Oranienstr. 25 alle zwei Wochen ganz konkret thematisiert. Viele Projekte, Initiativen, Hausgemeinschaften, einzelne Betroffene können hier öffentlich zu Wort kommen, um ihre eigene Situation darzustellen und damit selbstverständlich gleichzeitig die Oranienstr. 25 mit all deren kulturellen Aktivitäten zu unterstützen.

(Kontakt zum Organisations Team über team@nage-netz.de. An dieser Stelle werden die Videodokumentionen zu den Veranstaltungen laufend ergänzt.)

Ausstellung in der ngbk

Der besondere Sommer 2020 vor der Buchandlung Kisch & Co mit politischen und kulturellen Beiträgen, aber auch unüberhörbarer dringlicher Schilderung weiterer akuter Betroffenheit in den Kiezen

Die Buchhandlung Kisch & Co in der Oranienstraße ist akut von Verdrängung bedroht. Ihr Mietvertrag ist bereits Ende Mai ausgelaufen, denn die Vermieter*innen haben ein unmögliches Knebelangebot – verbunden mit Verschwiegenheitsklauseln – als Bedingung zur Verlängerung gemacht, mit dem sie sich gleichzeitig verpflichtet hätten, endgültig zum Ende des Jahres ihre Räume zu verlassen. Gegenüber anderen Mieter*innen im Haus wurden ebenso extreme Mietsteigerungen angekündigt. Der gesamte Kreuzberger Kulturstandort Oranienstr. 25 ist von Verdrängung bedroht! Und dieser Ort ist etwas ganz besonderes. Dies lässt sich unschwer an der großen Solidarität erkennen.


Volle Breitseite 5#

Weltweit ist jede 10te Eigentümer*in anonym.

„Jeder von ihnen kann ins Internet gehen, einen Namen von einem Nachbarn nachschlagen und gucken wo diese Person wohnt – ja das Melderegister ist frei zugänglich […] aber wenn sie wissen wollen wem dieses Haus gehört, können sie nicht im Internet nachschlagen, sie können nicht einmal zu einem Amt gehen und sagen, ich würde das gerne wissen, sondern das Amt sagt: Wieso wollen sie das überhaupt wissen …?“

Who really owns your flat? Anti-corruption expert and campaigner Christoph Trautvetter talks about the world of Berlin real estate – „a market dominated by anonymous billionaire landlords and so badly lacking transparency that it’s turned Germany into a hotbed of money laundering.“


Volle Breitseite 4#

Niloufar Tajeri von der Initaitiave Hermannplatz übt scharfe Kritik: Die Rot-Rot-Grüne Landesregierung meint, eine alternativlose Regierung für eine vielfältige Gesellschaft zu sein … Anfang August zeigte diese Koalition, wie sie politische Entscheidungen unter Druck von großen Konzernen trifft – gegen Forderungen aus der Zivilgesellschaft, gegen Sachkompetenz und gegen die eigenen politischen Ziele!


Volle Breitseite 4#

In Zeiten gesteigerter Verwertungsinteressen und angespannter Wohnungsmärkte wird für immer breitere Bevölkerungsteile schmerzhaft erfahrbar, die persönliche Wohnungsfrage individuell nicht mehr lösen zu können. Dabei entstehen im Wohnumfeld und städtischen Raum statt Ressentiments Suchbewegungen nach praktischer Solidarität. Konkrete Mieter*innenkämpfe entwickeln sich zu neuer Stadtteilarbeit.
Peter Nowak und Matthias Coers stellen Initiativen aus dem In- und Ausland vor, geleitet von der Frage, wie Kämpfe um Wohnraum, niedrige Mieten, gegen Verdrängung und die Kämpfe um höhere Löhne und Einkommen zusammen geführt werden können.


Volle Breitseite 4#

Seit vielen Jahren sind die Pizzeria De Noantri und der Görliback in der Görlitzer Straße 63 ein Treffpunkt für die Nachbarschaft des Wrangelkiezes. Nun sind beide Läden von der Kündigung bedroht. Ein weiteres Beispiel für den dramatischen Verdrängungsprozess der letzten Jahre in unserem Kiez. Dagegen wollen wir uns wehren.

Die emotionale Rede von Markus Kammermaier verdeutlicht das Gefühl der Menschen, um die es hier eigentlich geht. Städte können nicht mehr nur ausschliesslich Verwertungsprozessen unterliegen.


Volle Breitseite 4#

Im Dissens – Wem gehört Kreuzberg. „Kreuzberg und Neukölln bestehen aus diversen Gemeinschaften, deren Gewerberäume nicht nur kommerziell betrieben, sondern auch für soziale und kulturelle Aktivitäten genutzt werden. Diese Gewerberäume sind auch Orte des Zusammenkommens und Austausches jenseits von Konsumverpflichtungen, die ein lebendiges Zusammenleben im Kiez fördern.
Das Verschwinden dieser Orte durch Verdrängung bedeutet auch den Verlust einer gewachsenen Berliner Mischung von Wohnen, Kleingewerbe, Sozialem und Kultur. Investmentmanager und Investorinnen, die sich zunehmend hinter anonymen Kapitalgesellschaften verstecken, sind dafür verantwortlich, dass die vielfältigen Kiezstrukturen mehr und mehr verschwinden, nur damit ihr Profit maximiert werden kann. […]“ Text: Kunstblock & beyond und AG Im Dissens


Volle Breitseite 5#

Markus für die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“, die bald die zweite Stufe des Volksbegehrens starten


Volle Breitseite 4#

Die Ausstellung in der nGbK Berlin wurde verlängert und ist täglich von 15-20 Uhr zu sehen. Alle ausgestellten Werke von allen Künstler*innen werden gleichwertig in einem einzigen DIN A1 -Buch zusammengeführt. An diesem kann sich jede und jeder weiterhin mit Empörung, Wut, Liebe und Intelligenz beteiligen, auf das es ein Mega-Soli-Buch wider die Ausbeutung unserer Kieze und den Verdrängungsgversuch des Kulturstandortes Oranienstr. 25 wird.


Volle Breitseite 4#

Magnus Hengge, unablässiger Aktivist der neueren Stadtentwicklung auf vielen Ebenen, genauso wie diesbzgl. Mitbegründer zahlreicher Stadtinitiativen und Vernetzungen zur aktuellen Protestaktion „Volle Breitseite“:
Zunächst einmal haben wir ja viel Erfahrung mit dem Kampf für die Stadt in dieser Stadt und es gibt eine direkte Linie der Mieter*innenbewegung der Gründerzeit über die Hausbesetzungs- und Instandsetzungsszene der 70er bis 80er Jahre bis zur Wiederbelebung der Mieter*innen- und Anti-Gentrifizierungsbewegung der Jetztzeit. Diese Kontinuität gibt es auch persönlich und ich freue mich immer, wenn die „Alten“ neben den „Mittelalten“ und den „Jungen“ auf der Straße stehen, um früher einmal erkämpfte Räume heute nicht einfach aufzugeben.

In all diesen Phasen wurde etwas gemacht, das heute vielleicht „Community Building“ genannt wird, also Aktionen, die Verbindungen zwischen den hier lebenden Menschen wachsen lassen, um in der gemeinsamen Beschäftigung zu begreifen, dass es gemeinsame Probleme, Bedarfe und Anliegen gibt, die es auch gemeinsam zu vertreten gilt. Das ist auch die Leitidee, wenn wir dazu aufrufen, gemeinsam als wehrhafter Kiezdrache durch die Straßen zu ziehen, oder bei einer Aktion, bei der die Gewerbetreibenden der O-Straße zusammen das Licht ausmachen, weil einigen von Ihnen von den Vermieter*innen extreme Mietsteigerungen aufgebrummt werden sollen. Sowas sind eben nicht nur Probleme von Einzelnen, sondern es ist ein Problem für den Stadtteil – für den Kiez – für uns alle hier – das Milieu – wenn äußere Kräfte versuchen, hier ein noch einigermaßen funktionierendes gemischtes Stadtsystem durch fortwährende Preissteigerungen bei den Mieten auszupressen.


Volle Breitseite 4#

Jivamukti Kreuzberg: has got all the same stuff you know and love about Jivamukti Yoga —the same tried and true asanas and sequences, the same top-notch tunes and talented teachers, but there is no mistaking it, the Kreuzberg center radiates with a decidedly funky Kreuzberg vibe. The neighborhood is positively vibrating with life, culture, art and diversity. Jivamukti XBerg boasts one of the primest locations possible—you can find us on Oranienstrasse, one of the liveliest and most exciting streets in town. While Oranienstrasse could probably be dubbed “the street that never sleeps”, our beautiful top-floor studio is hidden just behind it, tucked cozily away in a quiet backyard, thus lending the studio something of an urban oasis feel. […] Text: Jivamukti Yoga Kreuzberg


Volle Breitseite 4#

Berlin hat eigentlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber Paris, London, San Francisco und wie sie alle heissen diese Hochburgen der weltweiten Gentrifizierung. Paris als Beispiel scheint sich inzwischen komplett lebensverneinend zu geben. Ist Berlin tatsächlich bereit die große Chance durch die besondere historische Lage wahrzunehmen und aus diesen Erfahrungen zu lernen. oder ist es vielleicht längst zu spät?


Volle Breitseite 5#

BERLIN taz | 6. 8. 2020 – Nach 35 Jahren könnte die Geschichte der linken Nachbarschaftskneipe Syndikat in Neukölln enden. Für Freitag um 9 Uhr ist die Räumung angesetzt. Die Kneipe, die als Kiez-Institution gegen Gentrifizierung und Verdrängung gilt, zieht über den Schillerkiez hinaus viele Unterstützer*innen in Berlin an – wie sich zuletzt bei einer Demonstration gegen die drohende Räumung vergangenen Samstag zeigte, an der etwa 2.500 Menschen teilnahmen. Der Protest dagegen scheint der symbolträchtigste des Jahres.


Volle Breitseite 4#

Annette Maechtel, Geschäftsführerin der ngbk (neue Gesellschaft für bildende Kunst) , erläutert die Situation des Kulturstandortes.

Die Gewerbeimmobilie Oranienstraße 25 ist ein Haus mit einer bisher typischen Mieterinnenstruktur, das seit Jahrzehnten einen sozialen und kulturellen Mittelpunkt für das gewachsene Berliner SO36 darstellt. Die heterogenen Mietparteien mit dem Kreuzberger Traditionsbuchladen Kisch & Co, der neuen Gesellschaft für bildende Kunst e.V. (nGbK), dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge, dem Architekturbüro kleyer.koblitz und dem Yogastudio Jivamukti ermöglichen ein breites Spektrum kulturell relevanter Aktivitäten. Das Gebäude ist Treffpunkt, Bildungsstätte und kultureller Ort. Im Herbst letzten Jahres ist die Immobilie, die zuvor im Besitz der Berggruen Holding war, von einem anonymen Luxemburger Immobilienfonds gekauft worden, der offenbar eine flächendeckende Entmietung des gesamten Objektes anstrebt. Die neue Eigentümerschaft versucht mit allen Mitteln anonym zu bleiben. Viele Existenzen sind bedroht, die Mieterinnenschaft und Unterstützer*innen kämpfen um den Kultur- und Kreativstandort.


Volle Breitseite 4#

Berthold Seliger, seines Zeichens Publizist und Konzertagent, über sein Buch „Vom Imperiengeschäft – Wie Großkonzerne die kulturelle Vielfalt zerstören“.

Konzerte, Festivals, Clubs & Soziokulturelle Zentren – Kulturraumschutz ist kein Märchen. Seliger meint dazu: „Niemand würde doch auf die Idee kommen die Philharmonie abzureißen, um da Luxuswohnungen zu erstellen […]“

„Berthold Seliger berichtet über die Neustrukturierung der Märkte in der Musikindustrie. Er nimmt die aktuellen Entwicklungen bei den Konzentrationsprozessen in der deutschen und internationalen Konzertbranche und die dubiosen Tricks im Ticketing zum Anlaß für konkrete Vorschläge, wie man mit konsequenter Gesetzgebung die Machenschaften der Konzerne eindämmen könnte, die die kulturelle Vielfalt gefährden. Seliger erklärt, wie unabhängige Musikclubs, soziokulturelle Zentren und künstlerorientierte Festivals Möglichkeitsräume werden, in denen eine Kultur jenseits der Konzerne stattfinden kann, und wie das Musikstreaming funktioniert. Er beschreibt die soziale Situation von Musikern und Kulturarbeitern und schlägt Lösungen wie Mindestgagen vor. Der Grundgedanke seiner Überlegungen sind immer die Interessen der Musiker und der Konzertbesucher. Nur wenn sich diese gegen die Imperiengeschäfte der Kulturindustrie wehren, wird die kulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft erhalten bleiben.“


Volle Breitseite 4#

Ateliergemeinschaft Glogauer Strasse 6: „In den letzten Jahren hat sich die Marktsituation in unserer Stadt im positiven Sinne dynamisch entwickelt. Diese Entwicklung blieb nicht ohne Einfluss auf den Mietmarkt für Gewerbeflächen, insbesondere auch in Kreuzberg. Solche nach dem höchsten Profit orientierten Mieten sind auch für Künstler*innen und Kreative einfach nicht zu tragen!
Nach mehreren Treffen und Verhandlungsrunden mit einem Mitarbeiter der Kuthe GmbH, um ein neues Angebot zu verhandeln, blieb das Ergebnis negativ, dieses Mal mit der Ansage uns „keine Sonderbehandlung erteilen zu können“. Danach wurde die Kündigung des Mietvertrages zum 31. Mai 2020 durch die Arnold Kuthe Immobilienverwaltungs- GmbH ausgesprochen.
Wir sind eines der letzten Künstlerateliers in der Glogauer Strasse 6, einem Haus mit einer über 40-jährigen Ateliertradition. […}“ Textauszug aus Petition der Ateliergemienschaft


Volle Breitseite 3#

Volle Breitseite 3#

Meret Becker mit Kai

was ich habe will ich nicht verlieren
aber wo ich bin will ich nicht bleiben
aber die ich liebe will ich nicht verlassen
aber die ich gerne habe will ich nicht mehr sehn
aber wo ich lebe will ich nicht sterben
aber wo ich sterbe da will ich nicht hin
leben will ich wo ich nie gewesen bin


Zeilen im experimentellen Gewand der Töne, die zwar plakativ aber doch sehr tiefgründig die derzeitige Zerrissenheit zum Thema haben, obwohl sie aus einer anderen Zeit stammen. Die Zeilen hier betreffen die einen hier genauso wie die anderen dort.


Volle Breitseite 3#

Canan Bayram: „Wenn ihr Geld habt – spült es im Klo runter, macht was wo es anderen nicht schadet – aber zerstört doch nicht die Jobs, die Nachbarschaft, den Lebensraum von Leuten, denen es eben nicht nur ums Geld geht“


Volle Breitseite 3#

Volle Breitseite 3#

Volle Breitseite 2#

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Volle Breitseite 2#

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Volle Breitseite 3#

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Volle Breitseite 2#

Volle Breitseite 2#

Volle Breitseite 1# – 24. Juni 2020

Thorsten Willenbrock, erklärt die Situation der Buchhandlung mit der „langen Geschichte“.
Die Buchhandlung Kisch & Co besteht bereits seit fast drei Jahrzehnten in der Oranienstraße. Mit ihren zahlreichen Kulturveranstaltungen ist sie nicht nur ein wichtiger Begegnungsort im Kiez und neben anderen alteingesessenen Läden ein Anziehungspunkt für die Nachbarschaft wie gleichermaßen die Tourist*innen. Die Oranienstr. 25 hat eine enorm große Bedeutung für die Kulturstadt Berlin.

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