Solidarisches Netzwerk von Nachbarschaft und Gewerbetreibenden in Berlin-Kreuzberg

Für Massenausdruck

  • Geschützt: 8# Hearing Iniforum
    Der Inhalt ist passwortgeschützt.
  • Sprechen übers NaGe-Netz

    Die beiden vom Internet-Radio „Kotti On Air“ – namentlich Connie und Swenja – haben Jenny und Magnus Fragen zu all den Themen gestellt, die in den letzten Monaten und Jahren die Arbeit im NaGe-Netz geprägt haben. Dabei geht das Gespräch immer wieder darauf ein, wie verschiedene Strukturen in Selbstorganisation geschaffen wurden, mit denen aktivistisches Einmischen in die Stadtpolitik unterstütz wurde.

    Hier kannst du das Gespräch anhören

    https://soundcloud.com/magnus-hengge/nage-netz-baustelle-gemeinwohl?in=magnus-hengge/sets/kotti-on-air-gesprache-uber-stadtpolitik&si=b4309b63b73a4ab3a8a11203377c00de&utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing

    Das NaGe-Netz wurde anfangs im Rahmen eines FEIN Pilot-Projektes für insgesamt 3 Jahre über finanziert. Im vierten Jahr wurde die Arbeit mit einem wesentlich kleineren Budget weitergeführt. Nun ist nach der Wahl eine vorläufige Ausgabensperre verhängt und eine Finanzierung fürs NaGe-Netz ist unklar. Zunächst einmal wird aber die geschaffene Infrastruktur vom Trägerverein Stadtprojekte eV aufrechterhalten.

  • Laternenumzug gegen Verdrängung 2021 – Mietbetrug, Börsennotierte Konzerne, AirBnB, Gewerbemietrecht & Kita’s, Zukunft am Ostkreuz, Racial Profiling und viel Musik.

    Samstag, 13.11.2021, Start Heinrichplatz
    Abschlusskundgebung mit Kulturprogramm
    im Familien- und Nachbarschaftszentrum Kiezanker 36
    mitveranstaltet durch das Nage-Netz.

    https://youtu.be/F4zLo7erIKI

    * Weil Verdrängung nach wie vor ein Geschäftsmodell ist, das nicht einmal vor Kita-Kindern Halt macht, ist auch eine ganz besondere Protestform inzwischen Tradition: Bereits zum siebten Mal bilden beim Laternenumzug Kinder und Erwachsene den funkelnden „solidarischen Kiezdrachen“, der gegen Mietsteigerung und Verdrängung wehrhaft zusammenhält. *

    So liest sich die Ankündigung der gemeinsam veranstaltenden Initiativen des 7. Laternenumzugs gegen Verdrängung, allen voran „Bizim Kiez„. Wie jeden Herbst, seit einigen Jahren nun, wurden dazu erneut nicht nur die manchmal so genannten „stadtaktivistischen Menschen“ aufgerufen, sondern genauso auch die, die einfach wieder zusammen mit ihren Kindern und Laternen der Dunkelheit in verschiedener Hinsicht vor dem Winter trotzen wollten und dabei fast sogar nebenbei ihrer Betroffenheit Ausdruck verleihen.



    Und wie immer kamen sie auch in Scharen mit ihren Lichtern. Wenn auch die Gesamtzahl der Menschen kaum wirklich zu erfassen ist, denn typisch für die Jahreszeit und dessen feuchten Temperaturen ist ebenso, dass verständlicherweise viele Eltern ihren Kindern gesundheitlich zu Liebe nur eine gewisse Distanz durchgehend im Umzug mit dabei sind. So viele Menschengruppen auch, die sich an den vorangekündigten Haltepunkten schon vorher positionierten, um den bunten Umzug auf sich zukommend zu erwarten. Durch die hohe Fluktuation während des Zuges ist ein genaueres Erfassen einer Gesamtzahl der Menschen schwer möglich. Auch sie, die den Umzug nur von ihren Fenstern oder Balkonen an sich vorbeiziehen ließen, waren erneut eher unzählig. Doch solche Überlegungen treten schnell in den Hintergrund für diejenigen, insbesondere eben für die Kinder, die sich unter und um die Drachen zum Dabeisein entschließen, denn das Wichtigste ist: Mitmachen und Mitsingen beim gemeinsamen Strassentanz mit dem begehrten Drachenpaar.

    Der „Laternenumzug gegen Verdrängung“ wäre eben aber nicht ein solcher ohne weitere wichtige Redebeiträge zur aktuellen Mietsituation bei Wohnungen, wie beim Gewerbe, zur Wohnungsfrage insgesamt, nicht nur im Kiez, sondern weit darüber hinaus:


    • Vor der Wiener Strasse 20: Rund 35 Prozent der Mietshäuser im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurden in den vergangenen Jahren in Eigentumswohnungen aufgeteilt. Eine Welle von spekulativen Weiterverkäufen und noch mehr zermürbenden Eigenbedarfsklagen wird befürchtet. Die aktuell in Bund und Land verhandelten politischen Instrumente sind völlig unzureichend, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Mindestens ein sofortiger bundesweiter Mietenstopp und die Abschaffung von Eigenbedarf in angespannten Wohnungsmärkten sind nötig, meint u.a. Bizim Kiez.
      In der Wiener Strasse grassieren Entmietungsmethoden von denen manche glauben es seien Horrorgeschichten aus einer gestrigen Welt.
      Mitnichten, sie sind leider brandaktuell, am besten dazu hier reinhören!

    • Oppelner Strasse 20: Der Kinderladen “Irgendwie Anders” bangt um seine Existenz. Der Drache wird als symbolische Schutzfigur für die Kleinsten gebraucht: Die Laternendemo unterstützt den Kinderladen „Irgendwie anders“ in der Oppelner Str. 20, der durch eine plötzliche Mieterhöhung um 7€/qm nun in seiner Existenz bedroht ist. Der Kampf des Kinderladens für finanzierbare Mietkonditionen steht auch stellvertretend für den Druck, unter dem soziale und kulturelle Einrichtungen sowie nachbarschaftsorientierte Läden stehen. Durch das Fehlen eines adequaten Gewerbemietrechts und ohne jegliche Mietpreisbegrenzung sind sie der Willkür und den Renditevorstellungen von Eigentümer*innen völlig ausgeliefert. Hier die Rede zur aktuellen Lage! (er Beitrga kann auch hier direkt auf der Homepage der Kita nachgelesen werden)
    Archivbild

    Stefan von der KIGE/Kiezgewerbe beschreibt die rechtliche Lage, in der sich die Kita und ihr Vermieter derzeit befinden. Nicht zum ersten Mal stellt er öffentlich klar wie wichtig die Forderung nach einem Gewerbemietrecht für den Erhalt der lebendigen Kieze und damit die ganze Stadt ist:

    Ein Gutachter befindet welchen Wert Kinder haben, schon irre sowas…“ –
    … dann wird’s keine Kita’s, dann wird’s gar nix mehr für uns hier geben, sondern nur noch diese Typen,
    denen jeder Cent über alle unsere Interessen geht …



    Börsennotierte Konzerne verschieben ganze Straßenzüge über Share Deals, mit denen sie ungestört von den Auflagen des Milieuschutzes und ohne Steuerzahlungen lukrative Immobiliengeschäfte im überhitzten Markt machen. Hier muss ein Verbot greifen sowie das von 59,1% der Berliner*innen geforderte Vergesellschaftungsgesetz die Spekulation mit Wohnraum beenden. Konstantin spricht für die Kreuzberger Gruppe von „Deutsche Wohnen enteignen“!



    • Kiezanker: Zum Abschluss erwarten die kleinen und großen Teilnehmenden wärmende Feuertonnen und ein Kulturprogramm mit Livemusik am Familien- und Nachbarschaftszentrum Kiezanker 36.
    • Zudem spricht Wrangelkiez United – die Initiative, die sich seit geraumer Zeit gegen u.a. „Racial Profiling“ einsetzt.
      Mehr zu den Inhalten dieses Redebeitrages
      auch hier (in engl. und deutsch).
    Jupiters3Probleme

    Lauratibor – die Protestoper – der Kiez singt zurück

    Der Protestsong

    Zum »traditionell widerständigen Laternenumzug mit Kiezdrache« haben wir ein Protestlied gemacht, das wir alle beim Umzug singen wollen, damit auch alle hören, warum wir gemeinsam auf die Straße gehen.

    https://youtu.be/_ENz7LT1Mjs

    Anhören und mitsingen

    Songtext herunterladen und ausdrucken

    Kommt zur Laternendemo am Samstag, 13. November,
    ab 17 Uhr auf dem Heinrichplatz (Oranienstraße, Berlin, Kreuzberg)


    Medienecho

  • Widerständiger Laternenumzug: Aus Protest gegen Verdrängung wird ein Kiez zum „Kiezdrachen“

    Samstag, 13.11. 2021, Start: 17 Uhr, Heinrichplatz
    Abschlusskundgebung mit Kulturprogramm:
    19 Uhr Familien- und Nachbarschaftszentrum Kiezanker 36
    Cuvrystr. 13/14, mitveranstaltet durch das Nage-Netz.

    Weil Verdrängung nach wie vor ein Geschäftsmodell ist, das nicht einmal vor Kita-Kindern Halt macht, ist auch eine ganz besondere Protestform inzwischen Tradition: Bereits zum siebten Mal bilden beim Laternenumzug der Nachbarschaftsinitiative ›Bizim Kiez – Unser Kiez‹ Kinder und Erwachsene den funkelnden „solidarischen Kiezdrachen“, der gegen Mietsteigerung und Verdrängung wehrhaft zusammenhält.

    Der Drache wird als symbolische Schutzfigur für die Kleinsten gebraucht: Die Laternendemo unterstützt den Kinderladen „Irgendwie anders“ in der Oppelner Str. 20, der durch eine Mieterhöhung um 7€/qm in seiner Existenz bedroht ist. Der Kampf des Kinderladens für finanzierbare Mietkonditionen steht auch stellvertretend für den Druck, unter dem soziale und kulturelle Einrichtungen sowie nachbarschaftsorientierte Läden stehen. Durch das Fehlen eines Gewerbemietrechts und ohne jede Mietpreisbegrenzung sind sie der Willkür und den Renditevorstellungen von Eigentümer*innen ausgeliefert. Bizim Kiez fordert die Einführung eines Gewerbemietrechts mit besonderen Schutzregelungen für soziale Einrichtungen und nahversorgendes Gewerbe.

    Nachdem die leuchtende Drachengroßfigur auf dem Heinrichplatz gemeinschaftlich erweckt wird, steuert der Umzug mehrere Stationen im Kiez an. Die Laternendemo beleuchtet damit ganz konkret, wo und wie der Kreuzberger Kiez zur “Mine der Betongoldschürfer” wird:

    • Start Heinrichplatz: Die Hausgemeinschaft Naunynstr. 54/55 kämpft um den kommunalen Vorkauf für ihr Haus. Nominell ist zwar ein Großteil des Kiezes unter Milieuschutz gestellt, aber das Druckmittel des kommunalen Vorkaufs für gemeinwohlorientierte Dritte kann kaum noch angewendet werden, weil das Land Berlin nicht ausreichend fördert. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 9.11.2021 zerschmettert die Grundlagen des Milieuschutzes in den sozialen Erhaltungsgebieten. Bizim Kiez fordert von der zukünftigen Bundesregierung eine umgehende Korrektur im Baugesetzbuch, um das Wohl der Allgemeinheit gegen Profitinteressen zu sichern.
    • Station Wiener Str. 20: Rund 35 Prozent der Mietshäuser im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg wurden in den vergangenen Jahren in Eigentumswohnungen aufgeteilt. Bizim Kiez befürchtet eine Welle von spekulativen Weiterverkäufen und noch mehr zermürbenden Eigenbedarfsklagen. Die aktuell in Bund und Land verhandelten politischen Instrumente sind völlig unzureichend, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Mindestens ein sofortiger bundesweiter Mietenstopp und die Abschaffung von Eigenbedarf in angespannten Wohnungsmärkten sind nötig.
    • Station Wrangelstr.: Börsennotierte Konzerne verschieben ganze Straßenzüge über Share Deals, mit denen sie ungestört von den Auflagen des Milieuschutzes und ohne Steuerzahlungen lukrative Immobiliengeschäfte im überhitzten Markt machen. Hier muss ein Verbot greifen sowie das von 59,1% der Berliner*innen geforderte Vergesellschaftungsgesetz die Spekulation mit Wohnraum beenden.
      Trotz des bestehenden Zweckentfremdungsverbots werden tausende Wohnungen in der Innenstadt als Ferienwohnungen über Plattformen wie AirBnB hochpreisig Tourist*innen angeboten – Wohnraum, der dringend regulär vermietet werden muss.
    • Station Oppelner Str. 20: Der Kinderladen “Irgendwie Anders” bangt um seine Existenz, wie aktuell auch das Kino Zukunft am Ostkreuz und die Drogenambulanz in der Kochstraße. Bizim Kiez fordert den Schutz der sozialen und kulturellen Infrastruktur und eine Abkehr von der renditegetriebenen Stadtabwicklung.

    Zum Abschluss erwartet die kleinen und großen Teilnehmenden wärmende Feuertonnen und ein Kulturprogramm mit Livemusik am Familien- und Nachbarschaftszentrum Kiezanker 36.


    Der Protestsong

    Zum »traditionell widerständigen Laternenumzug mit Kiezdrache« haben wir ein Protestlied gemacht, das wir alle beim Umzug singen wollen, damit auch alle hören, warum wir gemeinsam auf die Straße gehen.

    https://youtu.be/_ENz7LT1Mjs

    Anhören und mitsingen

    Songtext herunterladen und ausdrucken

    Kommt zur Laternendemo am Samstag, 13. November,
    ab 17 Uhr auf dem Heinrichplatz (Oranienstraße, Berlin, Kreuzberg)

  • Sprechen über Wohnungspolitik

    Die beiden vom Internet-Radio „Kotti On Air“ – Connie und Swenja – haben mit Katrin Schmidberger (MdA Grüne, Wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion), Christoph Trautvetter (Netzwerk Steuergerechtigkeit) und Magnus Hengge (NaGe, LokalBau) über die aktuellen Probleme in der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik gesprochen.

    Hier kannst du das Gespräch anhören

    https://soundcloud.com/magnus-hengge/reglementierungen?in=magnus-hengge/sets/kotti-on-air-gesprache-uber-stadtpolitik&si=0ca2813eb8464299b3149123cd88a9a2&utm_source=clipboard&utm_medium=text&utm_campaign=social_sharing
  • Das 80er Fest

    Gertruds Achtzigster
    Ein Symbol für Lebendigkeit


    Sicherlich keineswegs ein Grund, sich trübem Pessimismus hinzugeben, was den Wunsch nach Lebendigkeit und Erhalt unserer Kieze betrifft, sollte man meinen. Aber Gertrud steht wie nur noch wenige im Kiez für widerständiges Durchhaltevermögen, Lebenswillen und unablässigen Humor. Ähnlich symbolisch für die Authentizität und Zukunft eines Kiezes, wie der letzte inhabergeführte Gemüseladen, das letzte Papiergeschäft oder der letzte kulturelle Ort bis hin zur letzten Tankstelle vor dem Osten.

    Eher zufällig entstand die Idee ihren runden Geburtstag zum Anlass zu nehmen, mit einem Fest darauf hinzuweisen und entsprechend einzuladen, dass viele ältere Menschen über die Jahre stillschweigend aus dem Kiez verdrängt werden, sich verdrängen haben lassen. Manche sterben allerdings einfach auch eines natürlichen Todes, ja, nur die wenigsten schaffen es tatsächlich so weit in diesem Kiez. Denn viele haben nach tollen Jahrzehnten dann irgendwann genug an Kummer durch Vereinsamung, den existenziellen Lebensfragen und damit Stress in sich angesammelt, um dann oftmals gesundheitlich gefährdet in ein Heim umziehen zu müssen, wenn es denn noch bezahlbar ist. Immobilität, sprich ganz typische Gehprobleme im Alter, können dabei genauso eine fast simple, aber grundsätzliche Rolle spielen, das Leben in der Wohnung im 4. Stock oder auch nur 2. Stock eines Berliner Altbaus im täglichen Ablauf nicht mehr bewältigen zu können. Fehlende Anerkennung bis hin zum etwaigen Altersrassismus in einem überhippen Kiez, in dem mehr und mehr nur noch junge Leute leben, die darüber hinaus auch oft nur noch temporär für wenige Monate im Jahr zugegen sind und daher oftmals nur noch mit englischem Sprachschatz unterwegs sind. Nicht dass manche „dieser Alten“ nicht etwa auch dieser Sprache mächtig wären, nein, aber es gibt ihnen nicht unbedingt das besondere Gefühl von Heimat und deren Zukunft. Gleichzeitig tragen diese neudeutsch sogenannten Hipster relativ ohnmächtig dazu bei die Mietpreise in die Höhe klettern zu lassen. Mietpreise, die dann mit einer geringen Rente nicht mehr stemmbar sind, mögen ein weiterer einfacher wie extremer Grund sein, dass das Leben im Kiez trotz jahrzehntelangem Wohnen nicht mehr lebenswert erscheint. Was für jüngere Leute meistens kein großes Problem darstellt, um einen hohen Mietzins gemeinsam zu leisten, das zeitweilige Zusammenwohnen mit zumindest Gleichaltrigen, stellt für ältere eine viel größere Hürde dar, bzw. wird oftmals außer mit Familienmitgliedern, soweit überhaupt noch vorhanden, komplett abgelehnt. Die derzeitige Pandemie bzw. die sich ständig auch ändernde risikoexponierte Situation der Älteren und Vorerkrankten, d.h. die besonderen Vorsichtsmaßnahmen für die besonders „vulnerablen“. Das Adjektiv „vulnerable“ ist übrigens auch eher sehr hipsterdeutsch.

    Last not least gibt es da dann auch noch die ganz harten, ganz direkten “gentrification facts”, wie die Kündigung wegen Eigenbedarf, oftmals skrupellos bis fadenscheinig dem Profit wegen nur vorgegeben, aber durch immobilienfreundliche Richter*innen schließlich abgesegnet. Neben denen, die irgendwann trotz hohem Alter nächtlich auf Pfandflaschensuche durch die Bahnhöfe, Parks und Gassen ziehen, nicht mehr wirklich wahrgenommen, quasi anonymisiert, gibt es da auch noch einzelne Extreme, Menschen, die ein Trauerspiel nicht mehr mitmachen wollten und ihrem Leben mit einem Sprung vom Balkon ihr Leben beendet haben. Das erscheint an dieser Stelle dramatisierend, doch es ist in nachweisbaren Fällen Teil der Realität – dieser Immobilienverwertung. Wohnungen scheinen nicht mehr zum Leben da zu sein, sondern sollen in erster Linie offensichtlich nur noch ein Produkt in der Verwertungsgesellschaft darstellen, in einem Marktmechanismus der Menschen eventuell sogar Jahrzehnte das Produkt zwar benutzen, aber auch x-fach vollständig bezahlen lässt, um sich dem dann irgendwann nutzlos gewordenen Inhalt zu entledigen.

    Kreuzberg ist besonders betroffen von dieser Entwicklung, wie es diese Grafiken aufzeigen, die Magnus Hengge, selbst seit Jahrzehnten Anwohner im Kiez, demonstriert und damit die demografische Entwicklung bei der Veranstaltung im Nachbarschaftshaus in der Cuvrystraße vor Publikum erläutert:

    Im “lebensweltlichen Planungsraum” Wrangelkiez, zwischen Skalitzer Straße, der Spree und dem Landwehrkanal, sind weniger als 8 % der Menschen über 80 Jahren. Sehr viel weniger als in anderen Bezirken. Konkret sind es 134 Kiezanwohner*innen. Stadtweit sind etwa 20 % der Bevölkerung über 65 Jahren, das sind etwas mehr als 2000 Personen. Hingegen haben die um die 30-jährigen im Kiez einen extrem erhöhten Anteil. 

    Drängt sich also zwangsläufig die Frage auf:
    Warum können oder wollen ältere Menschen
    nicht mehr hier leben?  [Zum Video]

    Gertrud und Erzählen? Gar kein besonderes Problem für sie, auch wenn sie der Idee gegenüber ihren Geburtstag als Anlass für eine Kiezveranstaltung zu nehmen zunächst sehr skeptisch betrachtete. Aber sie spricht gerne, voller Selbstvertrauen und manchmal auch ohne viel Scham mit direkten Worten über das, was für so viele fast aus einer anderen Welt zu stammen scheint, denn es kann so vieles sein, was in einer einzigen Lebensgeschichte, was da über Jahrzehnte hinweg passiert ist. Eigentlich manchmal kaum noch zu erfassen für die Beteiligten selbst. Also auch nicht unbedingt übergreifend erfahrbar für Jüngere, wenn man sich nicht häufig begegnet und gar keine Zeiten dafür findet. Doch genau dieses kommunikative Miteinander wäre so ausschlaggebend für die nachhaltige Lebendigkeit einer Nachbarschaft. 

    Nicht nur die, die dieses stolze Alter bereits erreicht haben, sondern übergreifend auch die, für die sich die Begrifflichkeit “Ältere im Kiez” ungezwungen erschließt, waren eingeladen, zur Musik, zum Trinken und Essen oder auch spontan selbst zu erzählen. 

    Daraus ergab sich bereits relativ schnell der gemeinsame Hintergrund, für Jüngere und Ältere, die verbindende Zielsetzung, sich um das Leben in einer lebendigen städtischen Nachbarschaft gemeinsam zu bemühen, zu sorgen – darüber ins Gespräch zu kommen.

    Was zunächst nur als “Geschichten der Alten” daherkommt oder deswegen gar sehr schnell aus vielleicht auch Zeitmangel abgetan wird – entpuppt sich dann in der wirklichen Begegnung vor Ort schnell als elementar und dringend notwendig. Das simple Gespräch zwischen den Generationen eben, die Begegnung im Gemüseläden, der Drogerie, dem Park um die Ecke, die alte Bank an der Straße, die Plätze eben, die alle so extrem wichtig sind für die, die nicht mehr agil genug sind jedes Wochenende in einen Club zu gehen, aber auch die, die neu hier sind und nach einer gewissen Zeit den vermeintlichen Party’s müde geworden sind und gerne anfangen würden etwas mehr von dem zu verstehen, wo sie denn nun eigentlich gelandet sind. Berlin ist nicht nur ein Ort der (kreativen) Produktion, sondern eben dadurch auch ein realer Lebensort mit realen bis banalen menschlichen Bedürfnissen.

    Obwohl ja alles in Berlin eigentlich für die meisten auch sehr “anders” anfing und Sozialromantik nicht der erste Grund war nach Berlin zu gehen. Man wollte damals weg aus einer bürgerlichen Misere zu Hause. Das hippe, spannende Berlin lockte, genauso wie heute, die jungen Menschen aus allen Richtungen der Republik und darüber hinaus. Töchter und Söhne finanziell gesunder Familien aus dem ganzen Bundesgebiet kamen in Scharen, geflohen aus der Langeweile, der Selbstgefälligkeit, dem sogenannten Spießbürgertum des vermeintlichen Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit. [Es gibt das Gerücht, dass es auch besonders viele aus Schwaben sind]. Seit der Wende wandelt sich Berlin zudem wieder immer mehr zur internationalen  Metropole. Zu der schon immer multikulturellen Stadtgesellschaft Berlins, die seit den Sechzigern eher durch sogenannte Gastarbeiterfamilien aus dem Mittelmeerraum geprägt war, sind nun die Menschen mit transkontinentaler Herkunft und all ihren Sprachen dazugekommen. Englisch dominiert dabei naheliegenderweise und verleitet die jungen Zugezogenen gerne dazu das als das Normale zu betrachten und sich erst gar nicht mehr um die deutsche Sprache zu bemühen. Doch das Englische ist nicht für jeden achtzigjährigen Kiezbewohner auch die gewohnte Kommunikationsform. [Zum Video]


    Dabei ist Gertrud noch längst nicht einmal die Älteste der immer weniger werdenden Älteren im Kiez. Frau Böhl, seit über 50 Jahren aktiv in der Taborgemeinde, inzwischen über 90, ist jeden morgen bereits um 5:30 unterwegs … “es dauert eben inzwischen ein bisschen länger, deswegen hilft nur früher aufstehen”.  

    Frau Böhl …. Esther Borkam, Leiterin des Nachbarschaftshauses, selbst einmal Teil des Teams der Taborkirche, im Gespräch mit ihr. Sie ist auch heute noch der Meinung, dass … [Zum Video]

    “… seit 1961 im Kiez, ja und seitdem lebe ich hier, habe meine 3 Kinder groß gezogen, hab noch’s Enkelkind groß gezogen und ich lebe nach wie vor gerne hier, das sag ich ganz ehrlich […] der Görli, der umstrittene Görli, war eine Brache, bzw. kleine Brachen waren da drauf, in den Straßen wurden Autos montiert usw. usw. […] und dann kam die Initiative, die sich für den Görlitzer Bahnhof stark machte …” 


    Klaus ….  Als er mit Rio Reiser die … kannte man das noch gar nicht.

     [Zum Video]


    Wolf-Dieter aus der Lübbener, auch er hat die 80 inzwischen erreicht. Er erzählt, teilweise auch sehr kritisch, wenig beschönigend, aber sehr sachlich … “Also ich bin auch 81, wie […] wohne seit neunzehnhundertfünfzig hier im weiteren Kiez.

    Wenn ich an den Kiez hier denke, dann denke ich vor allen Dingen an die unglaubliche Veränderung, die innerhalb der Immobiliengeschichten stattgefunden haben. […] meine erste eigene Wohnung, die ich hatte, hat 30 Mark im Monat gekostet. Das war Mitte der Sechziger.

      [Zum Video]



    Manche mögen sie geradezu als vorlaut bezeichnen, aber in ihrem Alter … sagt sie … Sie gibt keine Ruhe – enorm diese Lebensenergie – aber vielleicht beflügelt eben auch genau das ab einem bestimmten Alter, wenn man die anderen längst überlebt hat.   [zum Video]


    Auch Fancois hat viel zu erzählen – wie eben über die “Riviera” an der Mauer, damals, als es noch stand, dieses Monster. Oder das Kuckucksei, das weit mehr war als nur eine Cafe bzw. abends eine Kneipe.   

    Francois, er kann so viele Dinge über den Kiez erzählen, über das Kerngehäuse, SO36, alte Hausbesetzerzeiten … 

    “Es gab die Periode, als man versuchte die Häuser im Rahmen des Profitwahns mit Immobilien verkommen zu lassen oder gar aktiv beschädigte, um sie abzureißen. Im Prinzip ist das ja auch heute nicht sehr viel anders. Verpflichtende Instandsetzungsmaßnahmen werden konsequent unterlassen, nur heute folgt die Luxussanierung. Das Prinzip bleibt jedoch das gleiche.

    Er erzählt über den Strand direkt am Todesstreifen an der Mauer am Landwehrkanal, das Kerngehäuse, das Kuckucksei …  und vieles mehr.

    “Also wir wir denken ja alle, wir leben hier in einem Kiez, wo alle, nein alle?, aber irgendwie viele irgendwie gut drauf sind, alternativ, irgendwie tendenziell links. Irgendwie an einer gerechten solidarischen fortschrittlichen Gesellschaft interessiert – das war aber gar nicht immer so. […] als ich kam, neunzehnhundertachtzig, einundachtzig gab’s hier im Kiez, ein Cafe und zwar das Nachbarschaftscafe in der Falkensteinstraße, was dann später zum Kuckucksei. Hat in der Falkensteinstraße angefangen – da waren sie sechs Monate lang, nach sechs Monaten sind sie umgezogen in die Nummer 78 […] Ja, es gibt so viele Sachen, die man nicht kennt, obwohl man hier direkt daneben wohnt. […] die Häuser, die zum allerletzten hier im Kiez gebaut worden sind. Und zwar zwischen 1898 und 1900. Und die Kirche zum Beispiel, die Taborkirche ist von 1905, die kamen dann dazu. […] diese Häuser, die hatten schon Bad und Toilette in der Wohnung. Was ja in den meisten Häusern drum rum nicht war […] das war ein besonderes Viertel und die Leute aus dem Kiez nannten das, das Beamtenviertel, obwohl da überhaupt keine Beamten drin gewohnt haben. Also es gab ein Kaffee, es gab zwei drei Restaurants und der Rest, was es gab, waren hauptsächlich nur Eckkneipen oder Saufkneipen […]”

    “Das Kuckucksei war für uns das zweite ZuHause – ich war jeden Tag 4-6 Stunden im Kuckucksei, besonders im Winter, weil ich wohnte …” (Video ab ca. 5:30, aber auch schon vorher)

    [Zum Video]


    Nada erläutert die Zielsetzungen eines Projektantrages. Ein Forum für Kiezgeschichten …

    “… Okay, also ich habe da hinten gesessen, ich habe vor allem auch mit Francois und mit und super interessanten Leuten gesprochen und ich kann gar nicht so wahnsinnig viel erzählen oder soll da auch nicht viel erzählen, sondern will euch eigentlich einladen, dass wir vielleicht gemeinsam überlegen, wie wir diese Geschichten, die so wichtig sind und so viel über den Kiez sagen, diese Geschichten, die wir heute so gehört haben und von denen es, glaube ich, echt eine ganze Menge gibt. Wir haben die Idee, dass wir die gerne ein bisschen konservieren wollen, dass wir die aufheben wollen, dass wir die für andere Leute weiter hörbar machen wollen und ich habe heute die ganze Zeit gedacht, ich habe mit den Leuten zusammen gesessen und gequatscht, ich habe euch hier zugehört und dachte so, okay, diese Atmosphäre, die hier passiert, wenn das die Leute wirklich live erzählen, die kannst du halt nicht reproduzieren, du kannst du nicht einfach eine Box aufstellen und die Leute irgendwie reinsprechen lassen und dann hört sich das jemand an und das ist dasselbe. Aber was trotzdem, glaube ich, ein guter Punkt ist, dass man überhaupt erstmal so ein Stückchen von so einer Geschichte noch behält und weiß, dass die Leute noch da sind und dass man die irgendwie noch ansprechen kann. Und das ist das, was wir mit den Stadtteilen oder Kiezgeschichten machen wollen. Und alle Leute, und das ist jetzt die Einladung, die irgendwie Lust haben oder sich dafür interessieren, was denn so für Orte hier im Kiez sind und was es für Geschichten gibt und wie groß die Regentropfen sein können […]  Die sind da super herzlich eingeladen, mit mir zu überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, das aufzunehmen. Sei das halt zum Hören, sei das als Video, sei das irgendwie…, schreiben wir es auf, machen wir Theater, machen wir Leseabende? […]” [zum Video]


    Gewitterregen können hitzige Gespräche abkühlen und zu interessanten Runden im Kiezanker führen. Noch immer besteht Unmut über das Geschehen um die Markthalle Neun – sicherlich auch noch immer ein Manko an Kommunikation.  


    Das Video : Das 80er-Fest und die Initiative Bizim Kiez

    Fotoimpressionen



















    Vorsichtig nähert man sich dem Geschehen. Grundsätzlich scheint es … 


  • Kreuzberger Kiezgeschichte(n:) Öffentliches Wohnzimmer mit Badewanne – die Kollektivkneipe Kuckucksei im Wrangelkiez

    In den 80er Jahren hatten die Leute im Wrangelkiez viel selbst zu organisieren und wenig zum Wohnen. Die Instand-Besetzungen von Fabriketagen und teilweise noch bewohnten Häusern, sagt Francois. Die Treber- und Jugend-Hilfe, sagt Wolf-Dieter. Das Straßentheater und Demos am Kudamm (was als sicherer galt, weil die Polizei sich dort das Prügeln nicht traute), sagt Gertrud.

    Francois erzählt, dass er in den Wintermonaten der 1980er in Kreuzberg seinen Kachelofen in der WG zweimal täglich ordentlich angefeuert hat und dennoch nie über 16 Grad Raumtemperatur kam.  Manch Eine schätzte sich glücklich, die Toilette auf halber Treppe zu finden, andernfalls ging es über den Hof. Das war aber nicht weiter schlimm, denn das Leben hatte einen anderen, einen gemeinsamen Ort außerhalb der eigenen vier Wände – die Kollektivkneipe Kuckucksei in der Wrangelstraße 78: Wohnzimmer, Versammlungsraum, Garten und für 2 Mark gings sogar für eine Stunde in die Wanne. Im Kuckucksei gab´s natürlich auch gutes Essen für alle erschwinglich, finanziert durch die Getränkeeinnahmen.

    Wie alle Kiez- und Kollektivkneipen war das Kuckucksei genauso gut fürs Aufdrehen wie fürs Ausruhen geeignet. Ein Ort an dem zugehört und mitgeredet, geholfen, geprobt, geschwiegen und auf Schultern geklopft wurde. Und weil viele Leute aus dem Kiez genau das dort taten, weil sie im Kuckucksei gefeiert, diskutiert, getrauert, getanzt, gegessen, getrunken und sogar gebadet haben, war das Kuckucksei so viel mehr als eine Kneipe. Es war Kulturzentrum, Sozialstation, Wohnungs- und Berufsvermittlung, Jugendzentrum, Familienberatung, Sprachschule, sozio-kulturelle Drehscheibe, Netzwerkstelle, Anlauf- und Koordinierungsstelle, Inklusions- und Beteiligungsstruktur, Stadtplanungsbüro u.v.m.  – es war im besten Sinne das was wir heute inklusiv, multifunktional und bedarfsgerecht nennen. Ende der 80er war mit inklusiv, multifunktional und bedarfsgerecht im Kuckucksei jedoch Schluss. Das Kollektiv löste sich auf. Das lag ausnahmsweise nicht am Hauseigentümer, denn der war wohl Willens zu einem stemmbaren Preis an das Kollektiv zu verkaufen. Woran dann? „Die Menschen verändern sich, wollen irgendwann was anderes. Familie und wegziehen und so.“, „Wenn man immer für andere ackert…“,  „Irgendwann passt’s halt nicht mehr.“, sagen Gertrud, Wolf-Dieter und Francois ziemlich ungerührt.

    Es gibt nur noch wenige solcher kollektiven, selbstorganisierten Kneipen und Freiräume. Umso wichtiger ist es jeden einzelnen zu verteidigen: Leute für die Meute, Liebig34, Rigaer94, Köpi, Syndikat etc.

    Wie sieht es mit Euch aus, wart ihr Gäste im Kuckucksei und möchtet Eure Geschichten mit uns teilen? Dann nutzt die Kommentarfunktion. Wir freuen uns drauf!

    Liebe Grüße vom Orga-Team des NaGe-Netz

  • Medienecho zum Kampf um Kisch & Co

    Unterstützung durch Nachbarschaft und Politik: Anwohner*innen, Kneipen- Ladenbetreiber*innen, stadtpolitische Gruppen. Alle sprechen sich nur zu deutlich für den notwendigen Erhalt des Buchladens aus. 

    • taz 27.08.2021 – Vermietung als Marketingcoup: Die Werbewirkung ist unbezahlbar – Die Deutsche Wohnen poliert ihr Image und rettet eine von Verdrängung bedrohte Kreuzberger Buchhandlung. Zum Samariter wird sie deshalb aber nicht.
    • Süddeutsche Zeitung 24.08.2021 – Das ist nicht mehr unser Haus – Ein Buchhändler zieht mit seinem Geschäft um. Kein Grund zur Aufregung? In Berlin schon. Ein Besuch bei Menschen, die nicht mehr wissen, wer ihre Miete erhöht.
    • Radio Eins 24.08.2021 – Das aktuelle Gewerbemietengesetz und die Auswirkungen für Mieter*innen – Nach fast 25 Jahren muss „Kisch & Co.“ umziehen. Die Kreuzberger Buchhandlung war im Streit um die Kündigung vor Gericht unterlegen. Eine Zwangsräumung konnte allerdings abgewendet werden, da die Buchhandlung kurzfristig neue Räumlichkeiten in der Oranienstraße gefunden hat.
    • BZ 24.08.2021 – Kisch & Co. wurde geräumt – Übergabe unter Protest und Tränen
    • Deutschlandfunk 24.08.2021 Abschied mit Haltung – und ein neuer Mietvertrag
    • Berliner Zeitung 24.08.2021 – Der lange Kampf um Kisch & Co.: Ein Happy End dank der Deutsche Wohnen? – Der Buchladen galt als Institution in Kreuzberg, am Dienstag wurde er unter Protesten endgültig übergeben. Die Tage davor waren hektisch und emotional.  
    • Tagesspiegel 24.08.2021 – „Wir gehen gegen unseren Willen hier raus“ Buchladen „Kisch & Co.“ in Berlin-Kreuzberg geräumt
    • Berliner Morgenpost 24.08.2021 – Kiezbuchhandlung Kisch & Co muss umziehen: Neue Proteste
    • Junge Welt 23.08.2021 – »Der Kampf ist noch lange nicht vorbei« Berlin: Protest von Gewerbetreibenden gegen Verdrängung am Dienstag. Buchladen »Kisch & Co.« hat neue Räumlichkeiten. Ein Gespräch mit Frank Martens
    • taz 23.08.2021 – Buchhandlung Kisch & Co.: Lesen Sie weiter – Kurz vor der Zwangsräumung findet der Buchladen Kisch & Co. neue Räume in der Oranienstraße. Vermieter ist ausgerechnet die Deutsche Wohnen.
    • nd 23.08.2021 – Am Ende der Spekulationskette – Am Dienstag räumt ein Gerichtsvollzieher die Buchhandlung Kisch & Co. in der Kreuzberger Oranienstraße
    • Tagesspiegel 22.08.2021 – Rettung von Berliner Buchladen „Kisch und Co“ – Der Kreuzberger Buchladen wurde durch Eingreifen der „Deutsche Wohnen“ gerettet. Das ist gut, löst aber das Problem nicht. Zeit, zu handeln
    • Tagesspiegel 21.08.2021 Traditionsgeschäft muss doch nicht schließen: Kreuzberger Buchhandlung „Kisch & Co“ bekommt neue Räume. Dienstag sollte die Kiezbuchhandlung Kisch&Co zwangsgeräumt werden. Nun kann sie weiter machen – in neuen Räumen. Freiwillig gehen die Betreiber jedoch nicht.
    • Berliner Morgenpost 21.08.2021 Kurz vor der Zwangsräumung. Kisch & Co hat neue Räume – Die Kiezbuchhandlung muss zwar aus der Oranienstraße 25 raus, hat aber nur wenige Meter entfernt einen neuen Standort gefunden.
    • Berliner Zeitung 21.08.2021 – Die umkämpfte Buchhandlung muss am Dienstag nach 23 Jahren in Kreuzberg geräumt werden. Nun bietet ein äußerst unerwarteter Vermieter einen neuen Standort an.
    • Jungle World 12.08.2021 – Small Talk mit Thorsten Willenbrock über die Räumung des Buchladens Kisch & Co. »Was hier wirklich passiert, ist Verdrängung«
    • rbb24 04.08.2021 – Protest angekündigt – Buchhandlung „Kisch & Co.“ soll am 24. August geräumt werden, Die Kreuzberger Traditionsbuchhandlung „Kisch & Co.“ hat einen Räumungstermin erhalten. Am 24. August um 08:15 Uhr komme der Gerichtsvollzieher, teilte das „Bündnis volle Breitseite für die Oranienstr. 25“ am Mittwoch mit. In dem Bündnis haben sich Anwohner, Kunden und Nachbarn zusammengeschlossen, um gegen die Verdrängung der Buchhandlung zu kämpfen.
    • taz 04.08.2021 Buchhandlung Kisch & Co vor der Räumung: „Sie müssen schon kommen“ – Die Buchhandlung von Thorsten Willenbrock an der Kreuzberger Oranienstraße soll am 24. August geräumt werden. Freiwillig gehen will er aber nicht.
    • Buchmarkt 4.8.2021 – Nach richterlichem Beschluss – Berlin: Der Buchladen Kisch & Co. soll am 24. August geräumt werden
    • sverigesradio 05.05.2021 Protester när bokhandel tvingas bort från trendig Berlin-stadsdel – I Berlin har medlemmar av familjen Rausing, arvtagare till Tetra Pak-imperiet, hamnat i skottgluggen i samband med att en populär bokhandel tvingas lämna sin lokal.
    • Sydsvenskan 28.04.2021 Upprörda stämningar när bokhandel i Berlin vräks – Den överhettade fastighetsmarknaden i den tyska huvudstaden väcker ilska och frustration.
    • titel thesen temperamente 25.04.2021 Die Buchhandlung „Kisch & Co“ in Berlin steht vor der Zwangsräumung. Nicht Corona ist der Grund, sondern ein milliardenschwerer Immobilienfond. Was sich dort abspielt, könnte ein Abbild der Zukunft unserer Städte sein.
    • Berliner Abendblatt 23.04.2021Kreuzberg: Inhaber müssen Kult-Buchladen Kisch & Co räumen – Die Buchhandlung “Kisch & Co” ist für viele Anwohner aus Kreuzberg nicht mehr wegzudenken.
    • Börsenblatt 23.04.2021 – Urteil: Kisch & Co. muss räumen – Das Berliner Landgericht Berlin ließ sich auch von 150 Demonstrierenden vor den Türen nicht erweichen: Der Buchladen Kisch & Co soll ausziehen.
    • Junge Welt 22.04.2021Gentrifizierung – »Wir bitten, weiter zu protestieren« – Berlin: Immobilienfonds will Kiezbuchhandlung verdrängen. Eigentümer und Anwohner protestieren. Ein Gespräch mit Frank Martens
    • Buchmarkt 22.04.2021Nach dem heutigen Urteil des Landgerichts – Buchhandlung Kisch & Co. in Berlin-Kreuzberg soll geräumt werden
    • nd 22.04.2021 – Kapital darf Kiez räumen lassen – Kreuzberger Buchhandlung Kisch & Co muss laut Gericht raus aus ihrem Laden
    • The Guardian 22.04.2021Rausings targeted in protest against Berlin bookshop eviction – Sigrid Rausing denies financial interest in building, as court orders booksellers Kisch & Co to vacate Kreuzberg premises
    • Tip Berlin 22.04.2021Kommentar – Räumungsprozess gegen Kisch & Co. beginnt: Der Kiez macht mobil
    • Der Tagesspiegel 22.04.2021 – Gentrifizierung in Berliner Oranienstraße – Kreuzberger Kiez-Buchladen „Kisch & Co.“ soll geräumt werden
    • taz 22.04.21Räumungsprozess gegen Kisch und Co: Fonds schmeißt Buchhändler raus
    • rbb24 22.04.2021 Gerichtsentscheidung Buchhandlung „Kisch & Co“ soll geräumt werden – In Berlin-Kreuzberg ist die Buchhandlung „Kisch & Co“ nicht wegzudenken.
    • Berliner Morgenpost 22.04.2021Räumgsklage gegen Kiezbuchgladen kommt durch – Das Landgericht hat dem Eigentümer recht gegeben: Die Buchhandlung „Kisch & Co.“ an der Kreuzberger Oranienstraße muss raus.
    • Berliner Zeitung 22.04.2021Gerichtsurteil: Inhaber müssen Buchladen Kisch & Co. räumen: „Ich könnte fast heulen“
    • Tag24 22.04.2021Gericht urteilt: Kreuzberger Buchhandlung „Kisch & Co.“ soll geräumt werden – Trotz Protesten soll die Kreuzberger Buchhandlung Kisch & Co. laut einem Gerichtsurteil geräumt werden.
    • BZ 22.04.2021Richter: „Uns sind die Hände gebunden“ Kreuzberger Buchhandlung „Kisch & Co“ verliert vor Gericht und muss raus
    • Push Back Talks 21.04.2021 – The Battle of Berlin – People, Courts and a Bunch of Billionaires (Audio 45min / zu Kisch & Co 36:55 min)
    • Süddeutsche Zeitung 16.04.2021 – „Ein Kiez, der keine Buchhandlung hat, ist nicht lebenswert
    • Tagesspiegel Leute Friedrichshain-Kreuzberg 08.04.2021 Sicherheitsrisiko? – Räumungsklage über „Kisch & Co.“ wird in Moabit verhandelt
    • taz 08.04.2021Der „gefährliche“ Buchladen – Das Landgericht verlegt den Räumungsprozess am 22. April in einen Hochsicherheitsgerichtssaal. „Absurd“ nennt dies der Anwalt der Buchhändler.
    • Deutschlandfunk 05.04.2021Gewerbemieter unter Druck – Monopoly in Berlin-Kreuzberg (Audio, ca. 30 min)
    • Der Tagesspiegel 01.04.2021Drohende Räumung durch Vermieter – Kreuzberger Kiez-Buchladen „Kisch und Co“ vor dem Aus
    • Berliner Zeit 31.03.2021Luxemburger Vermieter bleiben hart: Räumungsklage gegen Kisch & Co – Kultursenator Lederer und Justizsenator Behrendt scheitern mit dem Versuch, den beliebten Kreuzberger Buchladen zu retten.
    • nd 04.02.2021Kieze ohne Leben – Berlins Kleingewerbe steht nicht nur in der Pandemie unter Druck
    • Berliner Kurier 26.01.2021 Verdrängung – Bedrohter Kiezbuchladen Kisch & Co erhält prominente Unterstützung
    • taz 25.01.2021Senatoren-Brief nach Luxemburg. Die Senatoren Behrendt und Lederer setzen sich für Kisch & Co. in der Oranienstraße ein. Die Verhandlung der Räumungsklage ist verschoben.
    • Berliner Zeitung 22.01.2021Politiker setzen sich für bedrohten Kiezbuchladen Kisch & Co ein. Kultursenator Klaus Lederer und Justizsenator Dirk Behrendt appellieren an Eigentümer, von einer Räumungsklage abzusehen.
    • tipBerlin – 7.01.2021 Kisch & Co. droht Räumung:
      Die Seele der Oranienstraße steht auf dem Spiel
    • taz 29.12.2020
      Bedrohte Buchhandlung Kisch & Co. Fechten für das Gute und Schöne. Die Buchhandlung Kisch & Co. in der Oranienstraße sieht ihrem Räumungsprozess entgegen. Eine Petition für ihren Erhalt hat prominente Unterstützer.
    • Berliner Abendblatt 11.05.2020
      Eine Kreuzberger Institution steht vor dem Aus. Jetzt schaltet sich Stadträtin Herrmann ein.
    • Berliner Morgenpost 30.04.2020
      Nach 23 Jahren: Buchladen an der Oranienstraße soll raus – Besäufnis statt Büchern: Der Wandel der einstigen Kultstraße zur Partymeile sorgt für die Verdrängung von „Kisch & Co“.   
    • Tagesspiegel Leute 23.04.2020
      Immobilienfonds setzt Buchhandlung Kisch & Co vor die Tür. Seit 23 Jahren gibt es die Buchhandlung Kisch & Co in der Oranienstraße 25, doch der Vertrag läuft Ende Mai 2020 aus. Das Gebäude wurde Anfang des Jahres an einen „Immobilienfonds mit Sitz in Luxemburg“ verkauft, sagte mir Laden-Inhaber Thorsten Willenbrock . Ein Angebot für eine Verlängerung des Vertrags habe es nicht gegeben. Vor zwei Wochen erhielt Willenbrock stattdessen ein Schreiben mit einer Art Abfindungsangebot: Für die letzten drei Mietmonate müsse keine Miete gezahlt werden, sollte der Laden zum Ablauf des Mietvertrags geräumt sein.
    • Berliner Woche – 22.04.2020
      Appell für Erhalt von Kisch & Co
      – Im vergangenen Herbst wurde das Gebäude, in dem sich unter anderem auch die neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) und das Museum der Dinge befinden, erneut verkauft. „Wir haben den Eindruck, dass Sie als neuer Eigentümer bisher nicht auf Verhandlungen setzen“, heißt es unter anderem in einem offenen Brief von Kulturstadträtin Clara Herrmann (Bündnis90/Grüne)… 
    • Pressemitteilung Bezirksamt FhXb 16.04.2020
      „Der Mietvertrag des Buchladens Kisch&Co. in der Oranienstraße 25 in Berlin-Kreuzberg soll nicht verlängert werden und läuft Ende Mai 2020 aus. Das bedeutet, dass der seit 23 Jahren dort ansässige Buchladen im nächsten Monat schließen muss!
      Als Kulturstadträtin beobachte ich diese Entwicklung mit großer Sorge. Die Oranienstraße und der Bezirk müssen nach wie vor sozial und kulturell vielfältig bleiben. Buchhandlungen sind Kulturstandorte von großer Bedeutung, die unser soziales Leben erst ermöglichen. Gerade in diesen Zeiten von COVID-19 merken wir, wie sehr uns diese Begegnungsorte fehlen.
    • Neues Deutschland (nd) 15.04.2020
      Kartonmilliarden gegen Bücher – Immobilienfonds will Kreuzberger Buchladen Kisch & Co vor die Tür setzen – »Wir wissen eigentlich nicht genau, wer unser Gegenüber ist«, sagt Thorsten Willenbrock zu »nd«. Zusammen mit einem Partner führt er seit 23 Jahren die Buchhandlung Kisch & Co in der Kreuzberger Oranienstraße 25. Gewiss ist, dass ihm die Zeit davonrennt. Ende Mai läuft sein Mietvertrag aus, doch für eine Fortführung sei ihm nie ein Angebot unterbreitet worden. »Stattdessen wurde mir angeboten, dass ich die letzten drei Monate keine Miete zahlen muss, wenn ich mich verpflichte zum Vertragsende tatsächlich den Laden zu räumen«, berichtet der Buchhändler. Wieder muss wohl ein Traditionsgeschäft in Berlin-Kreuzberg weichen.
    • Berliner Zeitung – 08.04.2020
      Buchladen Kisch & Co. wieder in Gefahr – Vor drei Jahren konnte die Kreuzberger Buchhandlung Kisch & Co. gerade noch verhindern, dass sie durch ein anderes Geschäft aus ihrem Laden in der Oranienstraße 25 verdrängt wird. Doch jetzt ist sie erneut bedroht.
    • taz 06.04.2020
      Buchladen kämpft weiter
      – Die Buchhandlung Kisch und Co in der Oranienstraße in Kreuzberg soll im Mai ihre Räume verlassen
    • taz 30.03.2017
      Buchhandlung Kisch & Co darf bleiben
      – Ein weiterer Erfolg für Kiezinitiativen: Der Buchladen in der Oranienstraße hat sich mit dem Eigentümer geeinigt – eine Demo ist abgesagt.
  • IFG-Anfrage zu den Immobilienfonds Albert und Victoria Immo in Berlin


    Die Victoria Immo Properties V Sarl, die 2019 die Oranienstr. 25 kaufte und derzeit den Buchladen Kisch & Co. vor die Tür setzt, hat eine Schwestergesellschaft, die ebenfalls in Berlin investiert: Die auf Wohnen spezialisierte Albert Immo. Auch sie ist ein luxemburgischer Investmentfonds, der eine spezielle luxemburgische Kommanditgesellschaft (SCSp) nutzt, deren Eigentümer*innen nicht im luxemburgischen Firmenregister erfasst werden. In beiden Fällen sind die gleichen drei Anwälte aus der Schweiz/Liechtenstein als Treuhänder für die Investor*innen im Transparenzregister eingetragen. Sie vertreten nach Zeitungsberichten wahrscheinlich die schwedisch-britischen Erben der Tetra-Pak Dynastie:


    Im Januar 2021 begann eine (noch laufende) Recherche zu den Geschäftstätigkeiten beider Firmen in Berlin – mithilfe des Berliner Informationsfreiheitsgesetzes wurde in allen Bezirken nachgefragt, ob Kauffälle beider Firmen bekannt sind. Grundlage der Anfragen sind die Bestätigungen über die (Nicht-)Ausübung des bezirklichen Vorkaufsrechts, die als Voraussetzung für die Eintragung im Grundbuch benötigt werden. Dadurch erfasst die Verwaltung Grundstücks(ver-)käufe, die normalerweise nur mit berechtigtem Interesse im Grundbuch einsehbar sind.

    Die bisherigen Ergebnisse der Informationsfreiheitsanfragen und die Auswertung der Jahresabschlüsse aus 2020 zeigen: mit mehr als 300 Millionen Euro Immobilienvermögen und etwa 100 Berliner Adressen (und weiteren in Dresden), kratzt Albert Immo an der Grenze von 3.000 Wohnungen, erscheint aber bisher noch auf keiner Liste potenzieller Enteignungskandidat*innen. Laut eigener Website investiert Albert Immo langfristig und in nachhaltige Wertsteigerung.


    In 5 von 12 Berliner Bezirken laufen noch Anfragen. Die komplette Recherche ist über frag-den-staat.de hier einsehbar:

    Immobilienbestände von Albert Immo
    und Victoria Immo Properties Sarl in Berlin
    Anfrage nach dem Berliner Informationsfreiheitsgesetz
    (IFG)

    Erstellt am 13.01.2021 mit aktuell 12 öffentlichen Anfragen

    Die Anfragen ergaben soweit (siehe jeweils letztes Datum) => 103 Adressen (abzgl. der 8 Häuser, die verkauft wurden = 95); 51 Anträge auf Abgeschlossenheitsbescheinigung
    #Statusletzte NachrichtBehörde
    7
    Antwort ausstehend

    09.08.2021

    Bezirksamt Neukölln
    Kosten für die Auskunft: 75,00 €
    3Anfrage ausstehend09.08.2021Bezirksamt Charlottenburg – Wilmersdorf
    bisher keine Rückmeldung; Frist für die Beantwortung der Anfrage um 189 Tage überschritten. 
    6Anfrage ausstehend09.08.2021Bezirksamt Marzahn – Hellersdorf
    bisher keine Rückmeldung; Frist für die Beantwortung der Anfrage um 189 Tage überschritten.
    12Anfrage Antwort

    20.07.2021Bezirksamt Treptow-Köpenick
    52 Adressen; 15 Anträge auf Abgeschlossenheitsbescheinigung
    keine Kosten für die Auskunft
    8Anfrage Antwort17.06.2021Bezirksamt Pankow
    5 Adressen; 9 Anträge auf Abgeschlossenheitsbescheinigungen
    Auskunft teilweise verweigert: 5 Käufe von Albert Immo bekannt, jedoch keine Adressangaben vom Bezirksamt. Keine Kosten für die Auskunft. 

    11Anfrage Antwort

    11.06.2021Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
    3 Adressen (-1; ein Haus wurde verkauft);
    2 Anträge auf Abgeschlossenheitsbescheinigung
    Kosten für die Auskunft: 73,45 €
    4Antwort ausstehend14.05.2021Bezirksamt Friedrichshain – Kreuzberg
    Auskunft bisher abgelehnt.

    2Anfrage Antwort

    28.04.2021Bezirksamt Berlin-Reinickendorf
    12 Adressen (-7; 7 Häuser wurden verkauft);
    2 Anträge auf Abgeschlossenheitsbescheinigung
    Kosten für die Auskunft: 175,00 €
    9Antwort ausstehend21.04.2021Bezirksamt Spandau
    Auskunft bisher abgelehnt.

    1Anfrage Antwort

    19.04.2021Bezirksamt Berlin Mitte
    24 Adressen ; 16 Anträge auf Abgeschlossenheitsbescheinigung
    Kosten für die Auskunft: 100,00 €
    5Anfrage Antwort

    09.04.2021Bezirksamt Lichtenberg
    7 Adressen; 7 Anträge auf Abgeschlossenheitsbescheinigung
    Keine Kosten für die Auskunft
    10Anfrage Antwort18.01.2021Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf
    0 Adressen
    Die Prüfung hat ergeben, dass keine Käufe stattfanden.
    Keine Kosten für die Auskunft.

    Informationsfreiheitsgesetz (IFG)

    Das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) wurde zum 1. Januar 2006 in Deutschland auf Bundesebene eingeführt. Es regelt den Zugriff auf staatliche Dokumente und Akten neu. Seitdem müssen Behörden auf Antrag Informationen herausgeben und damit ist das „Amtsgeheimnis“ de facto abgeschafft. Zum Beispiel müssen Protokolle interner Beratungen und interne E-Mails auf Antrag veröffentlicht werden. Mehr Beispiele finden Sie in unser Rubrik “Anfrage-Ideen“. Da das Informationsfreiheitsgesetz des Bundes nicht für Landes- und Kommunalbehörden gilt, regeln alle Bundesländer in ihrem Wirkungsbereich die Auskunftsgesetze selbst. Dabei hat sich über die letzten Jahre eine unübersichtliche „Dreiklassengesellschaft“ etabliert: Länder ohne IFG, Länder mit IFG und Länder mit Transparenzgesetz.
    Quelle: FragDenStatt

    Das Gesetz für Berlin

    Transparenzgesetz

    Transparenzgesetze sind eine Weiterentwicklung der Informationsfreiheitsgesetze. Neben der Aktenauskunft auf Antrag, sind Behörden verpflichtet, wichtige staatliche Dokumente aktiv zu veröffentlichen. Zum Beispiel müssen Verträge mit Unternehmen auf einer staatlichen Webseite öffentlich einsehbar sein. Transparenzgesetze ergänzen die reaktive Informationspflicht von Behörden um eine aktive Veröffentlichungspflicht.
    Quelle: FragDenStatt


  • Pressemitteilung #Volle Breitseite 21. August 2021 – Kisch & Co. hat neue Räumlichkeiten gefunden

    Zwangsräumung und Protestkundgebung
    am 24. August finden trotzdem statt

    Kurz vor dem anstehenden Räumungstermin am 24. August gibt es jetzt auch gute Nachrichten von und für Kisch & Co.:
    Die Betreiber*innen haben einen Mietvertrag für neue Räumlichkeiten erhalten. Der seit fast 25 Jahren im Kiez etablierte Buchladen wird ab dem 1. September in der Oranienstraße 32 zu finden sein.

    Doch die guten Nachrichten für die Betreiber*innen, alle Mitarbeitenden und den ganzen Kiez haben auch einen großen Haken. Denn der neue Vermieter ist niemand anderes als die Deutsche Wohnen. Dass der größte Berliner Immobilienkonzern dies kurz vor dem anstehenden Enteignungs-Volksentscheid zur Image-Optimierung ausnutzen wird, ist
    höchstwahrscheinlich. „Der Fall Kisch&Co. zeigt beispielhaft das Dilemma für kleine Kiezgewerbe. Durch das fehlende Gewerbemietrecht und die explodierenden Mieten werden Gewerbetreibende von einem Immobilieninvestor zum nächsten getrieben, um die eigene Existenz zu erhalten. Es braucht dringend ein starkes Gewerbemietrecht und viel mehr Immobilien in öffentlicher Hand, die für Kiezgewerbe und soziokulturelle Räume genutzt werden können“, so Carola Rönneburg vom Bündnis Volle Breitseite.

    Trotz der neuen Räumlichkeiten ist für die Betreiber:innen von Kisch & Co. klar, dass sie die Oranienstraße 25 nicht freiwillig und nur gezwungenermaßen verlassen. Daher findet die Räumung am 24. August inklusive der angekündigten Protestkundgebung ab 7 Uhr morgens statt. „Mit der Kundgebung wollen wir noch einmal ein Zeichen setzen. Für Kisch & Co., gegen Zwangsräumungen und vor allem für alle verbliebenen Mieter*innen in der Oranienstraße 25. Denn für sie geht der Kampf jetzt noch weiter!“, so Rönneburg.

    Der anstehende Räumungstermin ist das Ergebnis der Entscheidung des Landgerichts Berlin, dass die Kreuzberger Buchhandlung Kisch & Co. ihre Räumlichkeiten in der Oranienstraße 25 verlassen muss. Über ein Jahr kämpften Kund:innen, Nachbar*innen und Initiativen gegen die Verdrängung von Kisch & Co.. Der Luxemburger Immobilienfonds Victoria Immo Properties, hinter dem vermutlich milliardenschwere Erb:innen des Tetra-Pak-Vermögens stehen, hatte das Haus 2019 für 35,5 Millionen Euro von der Nicolas Berggruen Berlin Five Properties GmbH & Co. KG gekauft. Diese Immobiliengesellschaft hatte ihrerseits im Jahr 2007 noch eine Summe von 7,2 Millionen Euro für das Grundstück ausgegeben.

    Im Mai 2020 war der Vertrag der Buchhandlung ausgelaufen. Die Victoria Immo Properties wollte nicht über eine Verlängerung des Vertrages verhandeln. Weil mittlerweile aber viele Kund*innen von Kisch & Co. per Video-Botschaft auf YouTube an den Immobilienfonds appelliert hatten, ihren Buchladen zu erhalten, erhielten die Betreiber von Kisch & Co. ein Angebot: Bis zum Jahresende sollten sie bleiben können – aber nur, wenn sie ihrerseits eine „positive“ Video-Botschaft über diesen Umstand verbreiten und gleichzeitig Lokal- und Bundespolitiker:innen sowie Medien entsprechend einstimmen würden. Über diese Vereinbarung sollte Stillschweigen gewahrt werden. Anstatt auf das unmoralische Angebot einzugehen, blieben die Buchhändler in ihrem Laden, und das Bündnis „Volle Breitseite“ organisierte 14-tägliche solidarische Protestkundgebungen für Kisch & Co.

    Protestkundgebung gegen die Räumung von Kisch & Co.

    24. August 2021 – 07.00 Uhr

    Oranienstraße 25,
    10999 Berlin


    Newsletter 466/2021 Kisch & Co – Buchhandlung und Antiquariat

  • Das mietenpolitische Dossier 2021 – Wahlprüfstein Gewerbe

    Am 9. August des Jahres präsentierte das Initiativenforum das Mietendossier 2021 auf dem Gelände des Hauses der Statistik. In Anlehnung an das erste bereits so genannte Mietendossier von vor 10 Jahren wird erneut die aktuelle wohnungspolitische Situation der Stadt erörtert. Nicht aus Sicht einer Regierung und deren politischen Parteien, sondern zuerst konsequent aus einer Sicht von “Unten”, aus der Sicht der wohnungspolitischen Stadtbewegung, ihrer Initiativen und den Mieter*innen, die hinter diesen stehen.  Stets jedoch im direkt angestrebten Dialog mit der “Politik”. Waren die damaligen Forderungen erfolglos? Dreht sich die wohnungspolitische Frage vielleicht anhand der massiven Profitinteressen nur im Kreis?



    Im Mietendossier 2021 versuchen 27 städtische Initiativen darauf eine erneute Antwort zu geben und sich weiterhin konkret einzumischen, sowie neben Kritik auch dedizierte Lösungsvorschläge anzubieten für die, die da gemeinhin als Politik*innen  oder “die Politik” benannt werden.

    In diesem Zusammenhang bleibt es auch übereinstimmend außer Frage, dass die Situation des für die Authentizität und die Funktion der innerstädtischen Kieze so wichtigen kleinteiligen Gewerbes, das bislang ohne jeglichen wirklichen gesetzlichen Schutz analog zu einem Mietrechtschutz da steht, mit als wesentlich für die Zukunft unserer Stadt betrachtet werden muß. 


    Jede lokale Struktur hat ihren Überbau, jeder Kiez seine kommunale Bezirks- verwaltung und -politik – jede deutsche Stadt hat die übergreifende bundesweite Gesetzgebung, die wie so oft in eklatantem Widerspruch zu den tatsächlichen Verhältnissen steht.  Was für das niederbayrische Dorf “Haunzenbergersöll”, ein völlig wahllos herausgenommenes Beispiel, gilt und dort vielleicht auch wohnungspolitisch betrachtet sozial gerecht sein könnte, erfüllt eben diese Zielsetzung noch lange nicht obligatorisch für eine Kiez wie z.B. der Oranienstraße oder dem Wrangelkiez in Friedrichshain-Kreuzberg . Die Situation der Berliner Altbauten und deren typische Mietshäuserstruktur haben in den meisten Fällen mit Zweifamilienhäusern in Baden-Württemberg in etwa so viel zu tun, wie der berühmten Vergleich zwischen Äpfel und Birnen.   

    https://youtu.be/6Vfz9NHv0to

     
    Video der Pressekonferenz vom 9.8.2021



    Aus dem aktuellen Mietendossier 2021:

     

    Gewerbetreibende schützen!
    Bizim Kiez, NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e. V.


    Gewerbemietverträge sind frei verhandelbar. Das betrifft sowohl die Laufzeit als auch die Miethöhe und stellt besonders Kleingewerbetreibende und Handwerksbetriebe im innerstädtischen Bereich vor wachsende Probleme. Auch Kitas, Beratungsstellen, Sportstätten, Ateliers und selbst Arztpraxen sind von Verdrängung bedroht.

    Obwohl die meisten Gewerbetreibenden dauerhaft an ihrem Standort bleiben wollen, schließen viele Vermieter:innen nur noch Verträge mit kurzer Laufzeit ab. Eine

    langfristige Planung ist so nicht möglich, Investitionen stellen ein hohes Risiko dar. Aber auch unbefristete Verträge bieten keine Sicherheit: Sie können von Vermieter*innen jeweils zu Beginn eines Kalendervierteljahres zum Ende des folgenden Quartals gekündigt werden, sofern im Mietvertrag nichts anderes vereinbart wurde.

    Eine Begründung ist nicht nötig.
    Der Immobilienverband Deutschland stellt in seinem Gewerbe-Preisspiegel 2019/2020 fest: „Berlin macht bei den Ladenmieten die gleiche Entwicklung wie im Wohnungssegment.“ Große Läden in Bestlage verteuerten sich danach im Durchschnitt um 18 Prozent, kleine in 1-B-Lage sogar um 27 Prozent. Vermieter*innen, die das Doppelte und Dreifache verlangen, sind keine Seltenheit. Die steigenden Mieten führen dazu, dass sich das Straßenbild der Kieze deutlich verändert. In Bezirken, die bei

    Tourist:innen beliebt sind, reihen sich Spätis, Bars, Imbisse und Billigrestaurants aneinander – nur sie können Mieten von mittlerweile bis zu 30 Euro pro Quadratmeter erwirtschaften. In anderen Lagen werden aus Blumenläden, Buchhandlungen oder kleinen Lebensmittelgeschäften sogenannte Co-Working-Spaces, in denen sich Freiberufler*innen die kleine Fläche und die hohe Miete teilen.

    Auch die Aufteilung von Wohnhäusern in Eigentumswohnungen setzt die Gewerbetreibenden unter Druck. Genauso wenig wie Mieter:innen ihre Wohnungen kaufen können, sind sie nicht in der Lage, ihre Laden- oder Büroflächen zu erwerben. Das Problem betrifft nicht nur die Schaufensterfront, sondern auch die Werkstätten und produzierendes Gewerbe in den Hinterhöfen.

    Die landeseigenen Wohnungsgesellschaften (LWU) wiederum, die auch Gewerbeflächen verwalten, haben bei Vermietungen nicht im Blick, welches Gewerbe für die

    Nahversorgung ihrer Mieter:innen nützlich wäre oder welche verdrängten Angebote aus der Nachbarschaft sie auffangen könnten.


    Ein Gewerbemietrecht schaffen !

    Wir benötigen Unterstützung des politischen Engagements auf Bundesebene, damit ein Gewerbemietrecht entsteht. Dieses muss einen Kündigungsschutz für Mieter*innen enthalten und den Ländern ermöglichen, Gewerbemietspiegel und Kappungsgrenzen für Gewerbemieten in Gebieten mit angespanntem Gewerbemietmarkt einzuführen. Das Land Berlin soll sich über den Bundesrat dafür einsetzen, dass ein solches Gewerbemietrecht entsteht. Und es steht auch in der Kompetenz des Senats, dort, wo das Land selbst Vermieter ist, sich für faire Verträge mit langen Laufzeiten und angemessenen Mieten einzusetzen. Die Vergabe von Gewerberäumen soll unter Einbeziehung der Nachbarschaft in transparenten Verfahren erfolgen. 


    Melanie Dyk vom Initiativenforum Berliner Stadtpolitik erwähnt bei der Vorstellung des Mietendossiers 2021 explizit das Gewerbemietrecht im Handlungsbedarf auf Bundesebene: [Video]


    Lorena Jonas,
    „23 Häuser sagen Nein“
    [Video]

    “Wohnen ist ein Menschenrecht und keine Ware. Das ist ein ganz gängiger Spruch der Mietenbewegung, nicht nur in Berlin, aber gerade weil er so altbewährt und gängig ist, vergisst man vielleicht manchmal, was er eigentlich meint. Er meint wohnen ist ein existentielles Grundbedürfnis und jeder Mensch hat Recht auf angemessenen Wohnraum. Und dieses Recht für jeden Menschen wirklich zu verwirklichen, ist eine Staatsaufgabe und muss deswegen als eigenständiges, politisches Ziel verfolgt werden. Und doch sehen wir, dass der Bereich Wohnen […] Bei immer noch fast 70 Prozent des Wohnungsbestandes in privater Hand des freien Marktes, verlassen wir uns nicht auf das neoliberale Dogma der Markt regelt. Denn das einzige, was der Markt wirklich regelt, ist möglichst viel Spielraum zu schaffen für steigende Mieten, Verdrängung, Identifizierung, Diskriminierung und nicht zuletzt soziale Spaltung. Und das ist der Ausverkauf der Stadt. Der Stadt, die so zu einer riesigen Kapitalanlage verkümmert. Und in so einer Stadt wollen wir nicht leben, die wie so eine Riesengelddruckmaschine, wie eine Bank aus Stein und Stahl funktioniert. Wir wollen eine Stadt Die wirklich für alle Menschen ein sicheres Zuhause bieten kann und ein bezahlbares Zuhause? Und eine Stadt, die wir mitgestalten können. Und dafür stehen wir als Dosiergruppe ein.”


    Wolfgang Mahnke, Mieterwerkstatt Charlottenburg [Video]

    “…das alles haben wir in dem Dossier in verschiedenen Beiträgen festgehalten. Auch den Umstand beim letzten Fall, dass die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sich auch mehr kümmern müssen oder überhaupt kümmern müssen ein Kiezumfeld zu schaffen, bei dem auch die Gewerbe die da sind entsprechend den Bedürfnissen, der dort wohnenden Bevölkerung, also auch bei den Gewerbemieten nicht danach gehen wer ist in der Lage die höchste Miete zu zahlen. Starbucks oder irgendwer, sondern zu sehen, brauchen wir hier kleine Handwerker, brauchen wir andere kleinere Gewerbetreibende und das auch wirklich als als Konzept des Vermietens zu machen”


    [Video

    #WPS 16: Gewerbetreibende –
    Verdrängung verhindern (Entwurf Horst Arenz) 

    Gewerbemietverträge sind frei verhandelbar. Der Kündigungsschutz des Mietrechts gilt nicht. Das stellt besonders Kleingewerbetreibende und Handwerksbetriebe im innerstädtischen Bereich vor wachsende Probleme. Auch Kitas, Beratungsstellen, Sportstätten, Ateliers und selbst Arztpraxen sind von Verdrängung bedroht.

    Das Straßenbild der Kieze polt sich um: Spätis, Bars und Imbisse. Billig-Restaurants reihen sich aneinander. Aus Blumenläden, Buchhandlungen oder kleinen Lebensmittelgeschäften werden sogenannte Co-Working-Spaces. Auch die Aufteilung von Wohnhäusern in Eigentumswohnungen trifft immer mehr Gewerbetreibende.

    Fragen auf Basis unserer Forderungen:

    Wie verhält sich Ihre Partei zu der Forderung, die Verdrängung von nahversorgenden Gewerbetreibenden zu verhindern?

    Wie stehen Sie zu der Forderung,  auf bezirklicher Ebene regulierend gegen die Verdrängung von Gewerbetreibenden vorzugehen? Welche Mittel wollen Sie dafür mobilisieren?

    Was spricht dagegen,  dass die Landeseigene Wohnungsunternehmen (LWU) nahversorgende Gewerbetreibende in ihren Beständen halten sollen?

    Was muss getan werden, damit  bei der Vergabe von Gewerbeflächen der LWU solche Gewerbetreibende Vorrang haben, deren Angebot der Nahversorgung der Wohnbevölkerung dient?

    Was wollen Sie für die Durchsetzung eines Gewerbemietrechts und einer Mietpreisbremse für Gewerbetreibende auf Bundesebene unternehmen? 


    Der Wahlprüfstein der Initiativen zum
    mietenpolitischen Dossier 2021 im Bezug auf eine notwendiges Gewerbemietrecht:



    Vor etwa einem Jahrzehnt – das Mietenpolitische Dossier 2011. Ernüchternd, oder eigentlich der Beweis für eine starke Bewegung?  Lisa Vollmer von “Stadt von Unten” [Video]   

    Eine objektive Antwort darauf fällt den Initiativen und ihren Aktivist*innen spontan betrachtet nicht so ganz leicht – immerhin bedeutet es gleichzeitig das Zugeständnis zu einem enormen, jahrelangen Engagement, dass nur in den wenigsten Fällen tatsächlich gebührend entlohnt wurde. Dennoch – die Frage ist auch eher unkompliziert zu beantworten, wie es Lisa Vollmer von “Stadt von Unten” macht:

     


    Das Gewerbe, insbesondere das Kleingewerbe
    vor Verdrängung schützen!

    Gewerbemietverträge sind frei verhandelbar. Einen Kündigungsschutz wie im Mietrecht gibt es unter vielen anderen Aspekten nicht im Ansatz. Es gibt auch bislang keine anderen Regelungen, die sich Gewerbemietrecht nennen lassen könnten. Gewerbemietverträge sind also reines Vertragsrecht und können deswegen völlig willkürlich von den Wirtschaftsmächtigen im Markt entworfen und durchgesetzt werden werden. So kommt es inzwischen aufgrund der zugespitzten Gewerbemarktsituation, zumindest was bezahlbare Mieten betrifft, zu absurden Vereinbarungen zwischen Vertragspartner*innen, die eher einen “Wilden Westen” assoziieren lassen als eine soziale Marktwirtschaft. Verträge mit ausufernden Laufzeiten von teilweise nur noch wenigen Monaten sind das Resultat. Doch weder  Kleingewerbetreibende noch Handwerksbetriebe oder Ateliers im innerstädtischen Bereich, erst gar nicht Kitas, Beratungsstellen, Sportstätten oder Arztpraxen sind in der Lage auf einer solchen Basis eine Existenz aufzubauen. Wer es dennoch tut, geht in den meisten Fällen ein extremes Geschäftsrisiko ein. Insolvenzen sind zwangsläufig die Folge.

    “Das Straßenbild der Kieze polt sich um: Spätis, Bars, Imbisse und Billig-Restaurants reihen sich aneinander, aus Blumenläden, Buchhandlungen oder kleinen Lebensmittelgeschäften werden sogenannte Co-Working-Spaces. Auch die Aufteilung von Wohnhäusern in Eigentumswohnungen trifft immer mehr Gewerbetreibende.”  

    Carola Rönneburg, Aktivistin der ersten Stunden in der Kiezinitiative “Die GloReiche”, auch Teil des Teams des Initiativenforum Stadtpolitik Berlin, bringt die Misere am frühen Morgen des Räumungstages der Traditionsbuchhand Kisch& Co kurz nach der Schlüsselabgabe an den Gerichtsvollzieher deutlich zum Ausdruck [Video]:

    “Es muß auf eine Art und Weise geregelt sein, daß Leute, die ihre Existenz auf einen Laden gründen, Rechte haben und planen können. Und im Moment ist es so, eigentlich keiner planen kann, weil die Sachen immer irrwitziger werden und niemand planen kann. Weil es z.B. inzwischen so ist, daß Läden vermietet werden mit einer Laufdauer von einem halben Jahr – oder einem Jahr. Wer soll sich bitteschön darauf eine Existenz aufbauen können?” […]


    Ein Rückblick – das Mietendossier 2011 und die Mahnung 2014 

    »Wir sind Mieter/innen aus allen Teilen der Stadt, die sich zu einem Bündnis zusammengefunden haben. Gemeinsam besuchten wir die letzten Berliner Koalitionsverhandlungen im Roten Rathaus und übergaben den Politiker/innen ein mietenpolitisches Dossier. 124 Tage später organisierten wir eine gut besuchte Veranstaltung im Abgeordnetenhaus und fragten nach, was inzwischen getan wurde. 

    Auf dem Stadtforum 2030 am 7. April 2014 haben wir die zweite Mahnung, das zweite mietenpolitische Dossier übergeben. Die Situation ist für die Mieter/innen nach wie vor absolut mangelhaft. 

    In diesem zweiten Dossier haben eine Vielzahl von Häusern und Gruppen ihre Probleme und Lösungsvorschläge zusammengefasst. Das politische Berlin ist informiert. Wenn die Kritik und die Probleme der Mieter/innen jetzt nicht ernst genommen werden, muss man Absicht unterstellen.

    Uns geht es um nichts weniger als um eine Wohnungspolitik, die Verdrängung und Ausgrenzung verhindert und dauerhaft preiswerte Mietwohnungen in allen Teilen der Stadt bietet:
    Ein Recht auf Stadt für alle!

    Als Mietenpolitisches Dossier wurden damals ebenso konkrete Vorschläge für die Politik vorgelegt:
    • zur gesetzlichen und langfristigen Sicherung der knapp 140.000 Sozialwohnungen (langfristige gesetzliche Mietenbegrenzung unter dem Jobcenter-Satz)
    • zum Schutz vor Umwandlungen in Eigentumswohnungen (Umwandlungsverordnung),
    • zur Verhinderung des Abrisses preiswerter Bestandswohnungen (Reform der Bauordnung),
    • zur Stärkung von Mieterinteressen bei energetischen Sanierungen (sofortige stadtweite Anwendung umfassender Milieuschutzregelungen),
    • zur Neuregelung der Bemessungsgrenzen der Kosten der Unterkunft (Übernahme der tatsächlichen Kosten bei Bestandsmieter/innen und Regionalisierung der Bemessungsgrenzen),
    • zur Kommunalisierung von Wohnungsbeständen zur dauerhaften Sicherung von günstigen Mietpreisen (Einrichtung eines revolvierenden Fonds als kommunales Sondervermögen)
    • zur konsequenten sozialen Ausrichtung der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften (Korrektur des Mietenbündnisses mit kommunalen WBG, z.B. Kappung der Modernisierungsumlagen auf dem Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete und Zwangsräumungsmoratorium)

    „Eine Stadt, in der Miete nicht zum Verdrängungs- und Armutsrisiko wird, setzt voraus, dass Bestandspolitik, Mieterschutz und kommunaler Wohnungsbau ineinander greifen und Verwertungskalküle substantiell eingeschränkt werden. Unsere Vorschläge zeigen: Eine soziale Wohnungspolitik ist möglich. Die Umsetzung einer anderen Wohnungspolitik kann nicht einzelnen Interessengruppen oder der Regierung überlassen werden. Wir rufen alle jene auf, die sich für eine soziale Stadtentwicklung Berlins verantwortlich fühlen, mit uns gemeinsam eine 100% soziale Wohnungspolitik zu entwickeln und umzusetzen.“

    Quelle (PDF Download)


  • Pressemitteilung des #Volle Breitseite für die Oranienstr. 25 – 22. April 2021 – Räumungsklage stattgegeben

    Bündnis „Volle Breitseite“ zeigt sich enttäuscht über die stattgegebene Räumungsklage gegen Kisch & Co. und kündigt weiteren Protest an

    Das Unterstützer*innen-Bündnis „Volle Breitseite“ zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts, der Räumungsklage der neuen Eigentümer:innen der Oranienstraße 25 gegen die Kiezbuchhandlung Kisch & Co. stattzugeben. Gleichzeitig kündigt das Bündnis an, weiter für den seit fast 25 Jahren etablierten Buchladen und gegen den Ausverkauf der Stadt anzukämpfen. 

    „Wir sind enttäuscht und wütend über die heutige Entscheidung des Landgerichts. Diese zeigt, dass durch eine Regelungslücke im Bürgerlichen Gesetzbuch Gewerbemieter*innen schutzlos den Renditeinteressen anonymer Immobilienfonds ausgeliefert sind. Gewerbetreibende müssen endlich analog zum Wohnungsmietrecht geschützt werden. Die Politik muss jetzt handeln und ein starkes Gewerbemietrecht einführen“, so Philipp Vergin vom Bündnis.

    Gegen Kisch & Co. geklagt hatte der Investmentfonds Victoria Immo Properties V S.à.r.l., der seit Anfang letzten Jahres Eigentümerin der Oranienstraße 25 in Kreuzberg ist. Die Anwält*innen der Gegenseite hatten kurzfristig beantragt, nicht nach Berlin anreisen zu müssen und waren nur per Video im Gerichtssaal zugeschaltet. Ihr einziger Beitrag bestand darin klarzumachen, dass sie kein Mandat für eine gütliche Einigung hatten. Nach sehr kurzer Beratung entschied das Gericht im Anschluss, der Räumungsklage stattzugeben.

    Zeitgleich demonstrierten vor dem auch als Kriminalgericht bekannten Landgericht in Moabit ca. 200 solidarische Unterstützer*innen und brachten in einer Kundgebung ihren Unmut über die Klage und den Prozess gegen Kisch & Co. und den Ausverkauf der Stadt zum Ausdruck. Teil der Kundgebung war auch die Aufführung eines eigenen, alternativen „Gerechtsprozesses“, der mit einem Räumungsverbot und einem schlagkräftigen Gewerbemietrecht endete. 

    „Unser Protest findet mit dem heutigen Urteil natürlich kein Ende. Wir werden weiter für Kisch & Co, den Erhalt des Kulturstandortes Oranienstraße 25 und unserer Kieze kämpfen. Von den Eigentümer*innen fordern wir, auf die Vollstreckung des Räumungstitels zu verzichten und der Buchhandlung einen langfristigen Verbleib zu annehmbaren Konditionen zu ermöglichen. Den Betreibern von Kisch & Co. und allen Beschäftigten wünschen wir an diesem traurigen Tag viel Kraft und weiterhin viel Mut. Wir stehen an Eurer Seite!“ , so Carola Rönneburg vom Bündnis. 

    Gegen die Verdrängung von Kisch & Co. protestieren Anwohner*innen, Kund*innen und ein Bündnis aus stadtpolitischen Initiativen bereits seit einem Jahr. Ihre Kundgebungen wurden regelmäßig von Berliner Künstler*innen unterstützt. Eine Petition auf change.org haben bisher über 20.000 Einzelpersonen und Organisationen unterschrieben. Auch Lokal- und Landespolitiker*innen setzen sich dafür ein, dass die Buchhandlung erhalten bleibt. Zuletzt schrieben Kultursenator Klaus Lederer und Justizsenator Dirk Behrendt gemeinsam an die Eigentümer*innen. Diese zeigten sich bisher nicht zum Einlenken bereit und ließen den Kampf um Kisch & Co. nun in einem Räumungsklageprozess gipfeln.

    PRESSEKONTAKT
    Fabian Steinecke // Mobil: 0174 69 70 841
    Email: internet@bizim-kiez.de

    Im „Volle Breitseite“-Bündnis für den Erhalt des Kulturstandortes Oranienstr. 25 haben sich die Initiativen Bizim Kiez, GloReiche Nachbarschaft, OraNostra und NaGe-Netz zusammengeschlossen.

  • Pressemitteilung des #Volle Breitseite für die Oranienstr. 25 – 29. März 2021 – Räumungsprozess erneut verschoben

    Bündnis „Volle Breitseite“ kritisiert Kriminalisierung des Kampfs um „Kisch & Co.“ – Räumungsklageprozess gegen Buchhandlung in das Landgericht in Moabit in der Turmstraße verlegt

    Die Kammer des Landgerichts Berlin hat die Verhandlung über die Räumungsklage gegen die Kreuzberger Buchhandlung Kisch & Co. in das Landgericht Moabit verlegt (22. April 2021, 10:00, Saal 129 Gebäude B), das bekanntlich als Kriminalgericht auch den Hochsicherheitssaal 700 B beherbergt. Die Begründung lautet lapidar: „Sicherheitslage“. Die Unterstützer*innen und Beklagten kritisieren diese Entscheidung als Kriminalisierung des Protests.

    Die Betreiber von „Kisch & Co.“, Thorsten Willenbrock und Frank Martens, sind fassungslos. „Nachdem schon die Räumungsklagen gegen das Jugendzentrum Potse und die Kiezkneipe Syndikat nach Moabit verlegt wurden, soll nun auch unsere Buchhandlung kriminalisiert werden“, sagt Willenbrock. Auch die Mitglieder des Bündnisses „Volle Breitseite“ kritisieren die Verlegung. „So werden die Beklagten und die Unterstützer*innen, als Gefährder*innen stigmatisiert“, sagt Connie Wagner vom Bündnis. „Wir kämpfen dagegen, dass unsere Kieze von Spekulanten zerstört werden. Unsere Solidarität mit den Betroffenen als Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu interpretieren, deckt sich nicht mit unserem Rechtsverständnis.“ Das Bündnis will sich nicht einschüchtern lassen und verlegt seinerseits seinen Protest gegen die Verdrängung von Kisch & Co. vor das Landgericht nach Moabit.

    Ursprünglich sollte das Landgericht in Mitte am 9. April 2021 über die Räumungsklage des Immobilienfonds „Victoria Immo Properties V S.a.r.l.“ gegen die Buchhandlung „Kisch & Co.“ in der Oranienstraße 25 verhandeln. Der Fonds will erreichen, dass die Buchhandlung nach 23 Jahren ihre Geschäftsräume aufgeben muss.

    Gegen die Verdrängung von „Kisch & Co.“ protestieren Anwohner*innen, Kund*innen und ein Bündnis aus stadtpolitischen Initiativen bereits seit einem Jahr. Ihre Kundgebungen wurden regelmäßig von Berliner Künstler:innen unterstützt. Eine Petition auf change.org haben bisher über 17.000 Einzelpersonen und Organisationen unterschrieben.Auch Lokal- und Landespolitiker:innen setzen sich dafür ein, dass die Buchhandlung erhalten bleibt. Zuletzt schrieben Kultursenator Klaus Lederer und Justizsenator Dirk Behrendt gemeinsam an die Eigentümer*innen.


  • Pressemitteilung des Bündnis #Volle Breitseite für die Oranienstr. 25 – Offener Senatorenbrief an Victoria Immo Properties – Räumungsprozess verschoben

    25. Januar 2021

    Berliner Kultursenator und Justizsenator setzen sich für Buchhandlung Kisch & Co. ein +++ Prozess über Räumungsklage am Landgericht verschoben

    Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) und Justizsenator Dirk Behrendt (Bündnis 90/Die Grünen) machen sich in einem gemeinsamen offenen Brief für den Verbleib der Kreuzberger Buchhandlung Kisch & Co. stark. In dem Schreiben an die Gesellschafter der Eigentümerfirma Victoria Immo Properties V S.à r.l. fordern sie diese auf, die Räumungsklage zurückzunehmen und stattdessen einen Mietvertrag zu tragbaren Konditionen anzubieten. Die Senatoren betonen, dass Kisch & Co. in den 24 Jahren des Bestehens am Standort Oranienstraße 25 “zu einem nicht ersetzbaren soziokulturellen Ankerpunkt im Stadtteil” geworden ist. Sie appellieren an die Eigentümer*innen und ihre Verantwortung, die Vielfalt im Kiez “weiterhin durch Mieten zu ermöglichen, die das ortsansässige Kleingewerbe tatsächlich bezahlen kann”, und bieten ihre Gesprächsbereitschaft an, um eine Lösung zu finden.

    “Wir freuen uns über die Unterstützung der Senatoren im Kampf um Kisch & Co. Der Brief ist ein weiterer Beweis für die breite Solidarität für den gesamten Kulturstandort in der Oranienstraße und baut hoffentlich weiteren Druck gegenüber den neuen Eigentümer*innen auf. Am Beispiel von Kisch & Co. zeigt sich aber auch, dass die Politik das Kleingewerbe in den Kiezen in Zukunft stärker strukturell schützen muss”, so Fabian Steinecke vom Bündnis “Volle Breitseite für die Unterstützung des Kulturstandorts Oranienstraße 25”.

    Zugleich hat das Landgericht den für den 5. Februar 2021 angesetzten Räumungsprozess gegen Kisch & Co. auf den 9. April verschoben. Gründe sind die anhaltende Pandemie und das zu erwartende starke öffentliche Interesse an der Verhandlung. Das Solidaritätsbündnis „Volle Breitseite“ begrüßt die Verschiebung und kündigt weitere Proteste an.

    „Wir werden die Zeit nutzen und die Hauseigentümer*innen an ihre Verantwortung erinnern. Hinter dem Investment und der Kündigung stehen laut Medienberichten Mitglieder der schwedischen Rausing-Familie – Erb*innen des Tetra-Pak-Vermögens –, die in England und der Schweiz leben und sich als Philanthrop*innen und Stifter*innen in Szene setzen. Wir erwarten, dass sie die Räumungsklage gegen Kisch & Co. zurückziehen und eine Standortgarantie für alle Mieter*innen des Kulturstandorts zu annehmbaren Bedingungen abgeben. Das wäre konkret gutes Handeln und gesellschaftlicher Einsatz“, erklärt Fabian Steinecke.

    Das Bündnis „Volle Breitseite“ kündigt an, den Protest zu internationalisieren. Bislang haben schon fast 5.000 Unterstützer*innen hierzulande die Petition auf Change.org zum Erhalt der Buchhandlung und für die Einführung eines wirksames Gewerbemietrechts unterschrieben. „Wir werden in Kürze auch eine Petition in Schweden starten. Außerdem arbeiten wir an einem Beitrag für einen schwedischen Radiosender. Das Interesse dort ist groß und wir sind optimistisch, dass eine kritische Öffentlichkeit etwas bei der Milliardärsfamilie bewirken kann, die hinter dem intransparenten Fonds stecken soll“, so Fabian Steinecke weiter.

    Die seit mehr als 23 Jahren in der Kreuzberger Oranienstraße 25 ansässige Buchhandlung ist seit Juni 2020 ohne Mietvertrag. Der Luxemburger Immobilienfonds Victoria Immo Properties V S.à r.l., dem das Haus seit Anfang 2020 gehört, verweigerte dem Buchladen mitten im ersten Corona-Lockdown eine Verlängerung des Mietvertrags. Im September 2020 erhielten die Betreiber von Kisch & Co. die Räumungsklage durch die Anwälte der neuen Eigentümer*innen.

    Der Brief der Senatoren:

  • Die Kiezbuchhandlung gegen die Milliardäre – Petition
    Die Petition wurde von #Volle Breitseite für unsere Buchhandlung Kisch & Co gestartet und ist gerichtet an:
    Bundesregierung und Berliner Senat
    Victoria Immo Properties V S.a.r.l.
    Christine Lambrecht Bundesjustizministerin

    Rettet Kisch & Co.! Rettet unsere Innenstädte und Kieze als Wohn-, Sozial- und Kulturräume! Nein zu Spekulation mit Miet- und Gewerberäumen!

    Während zehntausende von Kultureinrichtungen coronabedingt immense Schwierigkeiten haben ihr Überleben zu sichern, sind in fast allen größeren deutschen Städten weiterhin international agierende Immobilienspekulant*innen unterwegs. Ihr Geschäftsmodell betrifft Wohn- und Gewerberaum gleichermaßen. Kaufpreise und Mieteinnahmen sind scheinbar egal: Die Investor*innen wollen Steuern vermeiden und Gewinne durch Weiterverkäufe erzielen. Dabei setzen sie auf Entmietung der alten Strukturen, um entweder weit überhöhte Mieten zu fordern oder direkt lukrativen Leerstand zum Verkauf anbieten zu können. Anonymität anstatt soziale Verantwortung gehört dabei zum typischen Vorgehen und das lässt sich in Deutschland mangels gesetzlicher Verpflichtungen zur Transparenz sogar leichter realisieren als anderswo.

    Die Petition:

    Unsere Kiezbuchhandlung Kisch & Co in Berlin-Kreuzberg ist in großer Gefahr! Die neuen Hauseigentümer haben eine Räumungsklage angestrengt, über die am 9. April vor dem Landgericht Berlin verhandelt werden soll. Die Buchhandlung besteht bereits seit mehr als 23 Jahren in der Oranienstraße. Mit ihren zahlreichen Kulturveranstaltungen ist sie ein geschätzter Begegnungsort im Kiez und neben anderen alteingesessenen Läden ein wichtiger und unverzichtbarer Anziehungspunkt für die Nachbarschaft und Tourist*innen gleichermaßen.
    Doch nun soll unsere Kiezbuchhandlung einfach aus dem Haus verdrängt und die typische Kreuzberger-Mischung im Kiez weiter zerstört werden. Das können und werden wir nicht zulassen!

    Wir fordern von den Eigentümern/Verantwortlichen des Hauses Oranienstraße 25:

    • die sofortige Rücknahme der Räumungsklage
    • die Verlängerung des Mietvertrags bzw. Neuausgestaltung zu annehmbaren Bedingungen
    • eine Standortgarantie für alle anderen kulturellen Einrichtungen und Gewerbe im Haus zu annehmbaren Bedingungen

    Wir fordern von Politik aus Bund und Ländern:

    Schutz für Kleingewerbetreibende sowie soziale und kulturelle Einrichtungen durch die Einführung eines Gewerbemietrechts analog zum Mietrecht für Wohnen:

    • Kündigungsschutz
    • Entfristung der Verträge sowie
    • Maßnahmen zur Mietbegrenzung:
      Einführung eines verbindlichen Gewerbemietspiegels
      Einführung einer Gewerbemietpreisbremse

    In das Gewerbeobjekt mit überwiegend kulturellen Einrichtungen im Zentrum der Oranienstraße kaufte sich Anfang 2020 ein Luxemburger Immobilienfonds ein, die Victoria Immo Properties V S.a.r.l. Dahinter stehen vermutlich Erb:innen aus der schwedischen Rausing-Familie, die ihr Vermögen der Erfindung des Tetra Pak verdankt. Für dieses einzelne Haus legte der Fonds unfassbare 35,5 Millionen Euro auf den Tisch. Wir haben nachgerechnet: Selbst bei 300-prozentiger Mietsteigerung wäre dieser Betrag erst nach über 40 Jahren refinanzierbar.

    Der Mietvertrag der Buchhandlung lief im Mai 2020 aus. Normalerweise hätten längst Verhandlungen über eine Verlängerung angestanden. Doch die neuen Eigentümer*innen wollten Kisch & Co. offenbar nicht als Mieter:innen behalten. Trotz des Protests aus der Nachbarschaft, erhielten die Betreiber am 22.09.2020 eine Räumungsklage. Der Räumungsprozess war für den 05.02.2021 vor dem Landgericht Berlin angesetzt, wurde aber kürzlich aufgrund der Pandemielage und dem großen öffentlichen Interesse auf den 09.04.2021 verschoben.

    Für Kisch & Co. geht es jetzt um alles! Daher benötigen wir jede Unterstützung – für die Rettung von Kisch & Co., für den Erhalt eines wichtigen Standortes im Kiez und für ein starkes Gewerbemietrecht! 

    Wir sind das Bündnis “Volle Breitseite für Kisch & Co.“. Mit großer Unterstützung aus der Nachbarschaft, von Kund*innen, Initiativen und Bezirkspolitiker:innen begannen wir im Mai 2020 den Protest für den Erhalt unserer Kiezbuchhandlung. Wir organisierten den ganzen Sommer über Kundgebungen und Kulturprogramme vor der Buchhandlung. Hunderte Menschen nahmen jeweils an den Veranstaltungen teil, die von politischen Beiträgen und Lesungen, Diskussionen und Musik getragen wurden.

    Um einen Eindruck von den bisherigen Protest- und Widerstandsaktivitäten zu bekommen, hier weitere Links:

    Um die weitere Kampagne sowie die Prozesskosten zu finanzieren wurde für „#Volle Breitseite für die Oranienstr. 25“ ein Kalender produziert. Aus einem Fundus von über 100 künstlerischen Bildern unserer Unterstützer im Format A1 ist ein 16-seitiger Kalender im A3-Format mit 12 Monatsblättern und vielen illustrierten Informationen entstanden. Er kann hier bestellt werden:
    Volle Breitseite Kalender 2021

    Bereits 150 Menschen aus Politik, Kultur und Organisationen sowie diverse Initiativen haben diese Petition als Erstunterzeichner*innen unterstützt. Sie wollen wir hier namentlich vorstellen:

    • #200 Häuser
    • 23 Häuser sagen NEIN
    • Vernetzung der Akelius-Mieter*innen
    • Reza Amiri, DIE LINKE, BVV FHXB
    • Prof. Dr. Hans-Jürgen Arlt, Autor und Publizist
    • Jim Avignon, Künstler
    • Heike Avsar, Autorin
    • Simone Barrientos, DIE LINKE, MdB
    • Leonie Baumann, weißensee kunsthochschule berlin
    • Canan Bayram, Bündnis 90 / Die Grünen, MdB
    • Arndt Beck, Künstler
    • Meret Becker, Schauspielerin
    • Berliner Hefte zu Geschichte und Gegenwart der Stadt e.V.
    • Elvira Berndt, Jugendkulturarbeiterin
    • Prof. Dr. Elisa T. Bertuzzo, weißensee kunsthochschule berlin
    • Dieter Bertz, Bertz + Fischer Verlag
    • Josef Bierbichler, Schauspieler
    • Klaus Bittermann, Verleger
    • Bizim Kiez
    • Thilo Bock, Autor
    • Die Buchkönigin, Buchhandlung
    • Matthias Coers, Filmemacher und Stadtaktivist
    • Planungsbüro coopdisco
    • Cosimo, Künstler
    • Georg Daniels, Journalist
    • Buchhandlung Dante Connection
    • Pizzeria De Noantri
    • Deutsche Wohnen & Co enteignen!
    • Drea, Künstlerin
    • Chris Dreier, Künstlerin
    • Egotronic, Musiker
    • Susanne Ehlerding, Journalistin
    • David Ensikat, Journalist
    • Klaus Farin, Schriftsteller
    • Bäckerei-Café Filou
    • Katrin Fischer, Bertz + Fischer Verlag
    • Julius Fischer, Autor
    • Nanette Fleig, Fotografin
    • Fünf Häuser
    • Katalin Gennburg, DIE LINKE, MdA
    • Nina George, Schriftstellerin
    • Kathrin Gerlof, common Verlagsgenossenschaft e.G. („OXI“)
    • GloReiche Nachbarschaft
    • Prof. Dr. Maja Göpel, Autorin
    • Gaby Gottwald, DIE LINKE, MdA
    • Thomas Gralla, Vorstand Landesverband Börsenverein d. dt. Buchhandels Berlin/ Brandenburg
    • Matt Grau, Künstler
    • Raphaël Grisey, Künstler
    • Gregor Gysi, DIE LINKE, MdB
    • Ralph Hammerthaler, Schriftsteller
    • Harry Hass, Vagabund
    • Lebensmittel Hillmann
    • Ulrich Hopp, be.bra verlag
    • Laura Horelli, Künstlerin
    • Johannes Jansen, Dichter
    • Elfriede Jelinek, Schriftstellerin
    • René Jokisch, DIE LINKE, BVV FHXB
    • Katja Jösting, DIE LINKE, BVV FHXB
    • Johannes Kahrs, Maler
    • Antiquariat Kalligramm
    • Ursula Kamischke, Kulturschaffende
    • Dota Kehr, Musikerin
    • Cansel Kizeltepe, SPD, MdB
    • Marc-Uwe Kling, Autor
    • Florian Günther, Autor und Verleger
    • Jochen Knoblauch, Autor
    • Lars Knuth, Performancekünstler
    • Korbinian Verlag
    • Alfons Kujat, Schauspieler
    • Verlag Antje Kunstmann
    • Ralf G. Landmesser, Publizist
    • Protestoper Lauratibor
    • Caren Lay, DIE LINKE, MdB
    • Sebastian Lehmann, Autor
    • Markus Liske, Autor
    • Kristine Listau, Vorstand Landesverband Börsenverein d. dt. Buchhandels Berlin/ Brandenburg
    • Boris Löbsack, Musiker
    • SC Lurich 02 e.V.
    • Geburtshaus MAJA
    • Maik Martschinkowsky, Autor
    • Sigrun Matthiesen, common Verlagsgenossenschaft e.G. („OXI“)
    • Manfred Maurenbrecher, Musiker
    • Pascal Meiser, DIE LINKE, MdB
    • Kerstin Meyer, Volkswirtin
    • Mieterpartei
    • Modern Graphics
    • Steve Morell, Musiker
    • Wolfgang Müller, Missverständniswissenschaftler
    • Marion Alexa Müller, Vorstand Landesverband Börsenverein d. dt. Buchhandels Berlin/ Brandenburg
    • Lindsay-Jane Munro, Übersetzerin
    • neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK), Berlin
    • OraNostra
    • O-Ton Keramik
    • Jan Off, Autor
    • Buchhandlung Oh 21
    • One World Berlin Human Rights Film Festival
    • Fritz Panzer, Maler
    • Pastor Leumund, Musiker
    • Dagmar Pelger, Architektin
    • Ulrich Peltzer, Schriftsteller
    • Manja Präkels, Autorin
    • Uwe Preuss, Schauspieler
    • Prinzessinnengärten am Moritzplatz
    • Pro qm Buchhandlung
    • Prof. Dr. Ralf Ptak, Volkswirt
    • Dr. Max Putzer, AsJ Berlin
    • Siebrand Rehberg, Fotograf
    • Matthias Reichelt, Kulturjournalist
    • Robert Rescue, Bühnenliterat
    • Ellen Röhner, Ausstellungsmacherin
    • Christiane Rösinger, Musikerin
    • Runder Tisch gegen Gentrifizierung in Moabit
    • Scardanelli, Dichter
    • Regina Scheer, Schriftstellerin
    • Clemens Schick, Schauspieler
    • Anne Schindler, common Verlagsgenossenschaft e.G. („OXI“)
    • Sanaa Schlaeger, Musikerin
    • Katrin Schmidberger, Bündnis 90 / Die Grünen, MdA
    • Buchladenkollektiv Schwarze Risse
    • Ines Schwerdtner, Jacobin Magazin
    • Volker Seewald, Autor und Musiker
    • Berthold Seliger, Autor und Konzertagent
    • Regine Sommer-Wetter, DIE LINKE, BVV FHXB
    • Åsa Sonjasdotter, Künstlerin
    • Soundwatch Musikfilmfestival
    • stadt von unten
    • Erik Steffen, Literaturveranstalter & Publizist
    • Thommy Stückle, Zum Goldenen Hahn
    • Leander Sukov, Vize-Präsident des deutschen PEN-Zentrums
    • Sukultur Verlag
    • Jörg Sundermeier, Vorstand Landesverband Börsenverein d. dt. Buchhandels Berlin/ Brandenburg
    • Kneipenkollektiv Syndikat
    • Klaus Theuerkauf, Künstler
    • Wolfgang Tillmans, Künstler
    • Marin Turina, Drehbuchautor & Videojournalist
    • Lilo Unger, SO36
    • Ventil Verlag
    • Siljke Vogten, Autorin
    • Elisabeth Voß, Publizistin, NETZ e.V.
    • Ullrich Wannhoff, Künstler
    • Eckehard Weis, Drehbuchautor
    • Wem gehört Moabit
    • Heiko Werning, Autor
    • Marieke Wikesjo, Sopranistin
    • Willi wollt‘s anders
    • Frank Willmann, Autor
    • Dr. Thomas Wörtche, Publizist
    • Raul Zelik, Schriftsteller
    • Steffen Zillich, DIE LINKE, MdA
    • Friederike Zöllner, Vorstand Landesverband Börsenverein d. dt. Buchhandels Berlin/ Brandenburg
    • Bündnis Zwangsräumung verhindern

    Unterstützung durch Nachbarschaft und Politik: Anwohner*innen, Kneipen- Ladenbetreiber*innen, stadtpolitische Gruppen, parteien, wie Linke, SPD und die Grünen – alle sprechen sich deutlich für den dringend notwendigen Erhalt des Buchladens aus. Entsprechend breite Aufmerksamkeit erlangt die versuchte Verdrängung des Buchladens in den Medien. Medienecho zum Kampf um Kisch & Co.

    Um einen Eindruck der bisherigen Aktivitäten aus Protest und Widerstand zu bekommen sind hier weitere Links hinzugefügt:

    Zur Finanzierung der weiteren Kampagne und der Prozesskosten hat „Volle Breitseite für Kisch & Co.“ einen  Kalender 2021 produziert. Aus einem Fundus von über 100 kunstvollen Bildern im A1 Format unserer Unterstützer*innen ist ein 16-seitiger Kalender im A3 Format mit 12 Monatsblättern und reichlich bebildeter Information entstanden. Dieser ist hier zum Soli-Preis bestellbar: 
    Volle Breitseite Kalender 2021

  • #Volle Breitseite für die Oranienstraße 25 – Performances, Songs, Redebeiträge im Sommer 2020 vor dem bedrohten Kulturstandort

    Die kooperierenden Initiativen, die aktiv für den Erhalt des Kulturstandort Oranienstr. 25 zusammenarbeiten, haben eine Reihe von ineinander greifende Kampagnenteile erarbeitet. Im Pandemie-Sommer des Jahres 2020 wurde u.a. eine 14-tägige Protestkundgebung auf der Straße ins Leben gerufen, zu der mit abwechslungsreichem Kulturprogramm und Redebeiträgen eingeladen wird. Die übergreifende Problematik der Kündigung von wichtigem Kleingewerbe, wie auch sozialen Einrichtungen und damit der trotz dem Coronavirus weitergehende Ausverkauf der Kieze, wird im Rahmen der Kampagne vor dem Kulturstandort Oranienstr. 25 alle zwei Wochen ganz konkret thematisiert. Viele Projekte, Initiativen, Hausgemeinschaften, einzelne Betroffene können hier öffentlich zu Wort kommen, um ihre eigene Situation darzustellen und damit selbstverständlich gleichzeitig die Oranienstr. 25 mit all deren kulturellen Aktivitäten zu unterstützen.

    (Kontakt zum Organisations Team über team@nage-netz.de. An dieser Stelle werden die Videodokumentionen zu den Veranstaltungen laufend ergänzt.)

    https://youtu.be/93zFB29j7Lw
    Ausstellung in der ngbk

    Der besondere Sommer 2020 vor der Buchandlung Kisch & Co mit politischen und kulturellen Beiträgen, aber auch unüberhörbarer dringlicher Schilderung weiterer akuter Betroffenheit nicht nur in den bekannten Kiezen

    Die Buchhandlung Kisch & Co in der Oranienstraße ist akut von Verdrängung bedroht. Ihr Mietvertrag ist bereits Ende Mai ausgelaufen, denn die Vermieter*innen haben ein unmögliches Knebelangebot – verbunden mit Verschwiegenheitsklauseln – als Bedingung zur Verlängerung gemacht, mit dem sie sich gleichzeitig verpflichtet hätten, endgültig zum Ende des Jahres ihre Räume zu verlassen. Gegenüber anderen Mieter*innen im Haus wurden ebenso extreme Mietsteigerungen angekündigt. Der gesamte Kreuzberger Kulturstandort Oranienstr. 25 ist von Verdrängung bedroht! Und dieser Ort ist etwas ganz besonderes. Dies lässt sich unschwer an der großen Solidarität erkennen.

    Alle Videos als YouTubePlaylist ansehen


    https://youtu.be/d2XuVAgyGQU
    Volle Breitseite 7#

    Christian am Mikrofon zum Thema Zwangsräumung, Insbesondere auch zu der für zwei Tage später angekündigten polizeilichen Räumung des besetzten sehr symbolträchtigen Hauses in der Liebigstr.34 im Nordkiez von Friedrichshain.
    Bei der Räumung des Syndikat’s waren es nach einer Anfrage beim Senat 2974 Einsatzkräfte, davon 179 in Zivil, mit zusammen mindestens 180.000 Einsatzstunden. Die Kosten dafür …. zu Recht stellt auch er die Frage der Verhältnismässigkeit wenn z.B. auf der anderen Seite bei Projekten wie „housing first“, so schildert er es, gerade einmal Plätze für 40 Obdachlose geschaffen werden. „Unfassbar“ ist nicht nur ein emotionales statement.


    https://youtu.be/q1geISQzKCM?t=00
    Volle Breitseite 7#

    Mein Hausprojekt hat, gemeinsam mit vielen anderen Hausprojekten, die unter genau dem gleichen leiden,
    wie dem was Ihr gerade Kisch &Co und diesem ganzen Haus antut, eine Oper geschrieben –
    über dieses Problem und das Drama, das sich in Berlin und in Kreuzberg abspielt.

    Sie, Familie Rausing
    Sie sind keine Helden in diesem Drama
    Zeigt euch erkenntlich
    und kommt mit einer Lösung
    die es uns möglich macht zu bleiben

    Die 2. Arie des Abends am 7. Oktober 2020
    gesungen von Marieke Wikesjo

    Vad har ännu ett värde? / Was hat noch einen Wert?
    Vad? / Was?Vad?Was?
    När inte ens kärlek har något värde längre? / Wenn Liebe keinen Wert mehr hat?
    När till och med kärlek / Wenn selbst Liebe
    krossas av denna världs girighet / an der Käuflichkeit der Welt zerbricht
    Allt, ja allt blir bara dyrare / Es wurde teurer, es wurde immer teurer
    och det enda vi gör är att betala / wir haben alle gezahlt
    och betala och betala / und gezahlt und gezahlt
    Vi sliter mer och mer och ännu mer. Dag in. Och dag ut / Nur noch geschufftet Tag für Tag
    Vad finns till slut kvar? / Und am Ende, Was bleibt?
    … och / …und Vem finns till slut kvar? / Wer bleibt?

    mariekewikesjo #lauratibor


    https://youtu.be/akYoP-OB8sg
    Volle Breitseite 6#

    Thorsten Willenbrock erläutert die aktuelle Situation. Seit 1. Juni ist der Buchladen nun ohne Mietvertrag, der monatliche Mietzins wird jedoch weiterhin pünktlich überwiesen.
    Am 19. Juni kam eine Räumungsaufforderung.
    Am 22. September, also einen Tag vor „Volle Breitseite 6#“, kam nun die Räumungsklage. Nicht unerwartet. Damit ist nun die juristische Ebene erreicht, d.h. die zeitliche Abfolge der weiteren Entwicklung wird nun auch von Gerichten bestimmt. Klar ist aber dadurch ebenso, dass im weiteren Vorgehen nun tatsächlich Rösser und Reiter*innen namentlich genannt werden. Noch klarer: „kampflos geht hier niemand“. Das Kulturprogramm wider die Verdrängung eines Kulturstandortes hat gerade erst so richtig begonnen.


    https://youtu.be/IVYDmDWlpvQ
    Volle Breitseite 6#

    Erik Steffen: »Ein kleiner Tisch und wir gucken auf ein Auto … was für ein Wahnsinnsort dieser Buchladen […] ich aber will diesem besonderen Ort eine Wertschätzung ausdrücken, diesem Rettungsanker einer literarischen, sozialen und ökonomischen Gegenwelt… «


    https://youtu.be/D1TB_awAmqw?t=00
    Volle Breitseite 5#

    Weltweit ist jede 10te Eigentümer*in anonym.

    „Jeder von ihnen kann ins Internet gehen, einen Namen von einem Nachbarn nachschlagen und gucken wo diese Person wohnt – ja das Melderegister ist frei zugänglich […] aber wenn sie wissen wollen wem dieses Haus gehört, können sie nicht im Internet nachschlagen, sie können nicht einmal zu einem Amt gehen und sagen, ich würde das gerne wissen, sondern das Amt sagt: Wieso wollen sie das überhaupt wissen …?“

    Who really owns your flat? Anti-corruption expert and campaigner Christoph Trautvetter talks about the world of Berlin real estate – „a market dominated by anonymous billionaire landlords and so badly lacking transparency that it’s turned Germany into a hotbed of money laundering.“


    https://youtu.be/kadrmCzigm0
    Volle Breitseite 4#

    Niloufar Tajeri von der Initaitiave Hermannplatz übt scharfe Kritik: Die Rot-Rot-Grüne Landesregierung meint, eine alternativlose Regierung für eine vielfältige Gesellschaft zu sein … Anfang August zeigte diese Koalition, wie sie politische Entscheidungen unter Druck von großen Konzernen trifft – gegen Forderungen aus der Zivilgesellschaft, gegen Sachkompetenz und gegen die eigenen politischen Ziele!

    https://youtu.be/_uQFErNY3NM?t=00
    Volle Breitseite 4#

    https://youtu.be/1Ki6JZ9-Oxs
    Volle Breitseite 4#

    In Zeiten gesteigerter Verwertungsinteressen und angespannter Wohnungsmärkte wird für immer breitere Bevölkerungsteile schmerzhaft erfahrbar, die persönliche Wohnungsfrage individuell nicht mehr lösen zu können. Dabei entstehen im Wohnumfeld und städtischen Raum statt Ressentiments Suchbewegungen nach praktischer Solidarität. Konkrete Mieter*innenkämpfe entwickeln sich zu neuer Stadtteilarbeit.
    Peter Nowak und Matthias Coers stellen Initiativen aus dem In- und Ausland vor, geleitet von der Frage, wie Kämpfe um Wohnraum, niedrige Mieten, gegen Verdrängung und die Kämpfe um höhere Löhne und Einkommen zusammen geführt werden können.


    https://youtu.be/8ZTfWj8-XJ4
    Volle Breitseite 4#

    Seit vielen Jahren sind die Pizzeria De Noantri und der Görliback in der Görlitzer Straße 63 ein Treffpunkt für die Nachbarschaft des Wrangelkiezes. Nun sind beide Läden von der Kündigung bedroht. Ein weiteres Beispiel für den dramatischen Verdrängungsprozess der letzten Jahre in unserem Kiez. Dagegen wollen wir uns wehren.

    Die emotionale Rede von Markus Kammermaier verdeutlicht das Gefühl der Menschen, um die es hier eigentlich geht. Städte können nicht mehr nur ausschliesslich Verwertungsprozessen unterliegen.


    https://youtu.be/IEdxPzi4NFU?t=00
    Volle Breitseite 4#

    Im Dissens – Wem gehört Kreuzberg. „Kreuzberg und Neukölln bestehen aus diversen Gemeinschaften, deren Gewerberäume nicht nur kommerziell betrieben, sondern auch für soziale und kulturelle Aktivitäten genutzt werden. Diese Gewerberäume sind auch Orte des Zusammenkommens und Austausches jenseits von Konsumverpflichtungen, die ein lebendiges Zusammenleben im Kiez fördern.
    Das Verschwinden dieser Orte durch Verdrängung bedeutet auch den Verlust einer gewachsenen Berliner Mischung von Wohnen, Kleingewerbe, Sozialem und Kultur. Investmentmanager und Investorinnen, die sich zunehmend hinter anonymen Kapitalgesellschaften verstecken, sind dafür verantwortlich, dass die vielfältigen Kiezstrukturen mehr und mehr verschwinden, nur damit ihr Profit maximiert werden kann. […]“ Text: Kunstblock & beyond und AG Im Dissens


    https://youtu.be/nat4_27Z8Z8
    Volle Breitseite 8#

    Die Initiative „Deutsche Wohnen enteignen“ am Mikrofon vor der Oranienstrasse 25. 130.000 Unterschriften wurden inwischen für das Volksbegehren gesammelt.


    https://www.youtube.com/watch?v=-UWwReiP3sg&list=PLVf6eK16kLrERDHI5dy7UXZi5RS-OpADn&index=2
    Volle Breitseite 8#

    Andrej Holm am Mikrofon, Sozialwissenschaftler mit den Themenschwerpunkten Stadterneuerung, Gentrifizierung und Wohnungspolitik.


    https://youtu.be/aWn5Cz52eNk
    Volle Breitseite 7#

    Stefan weist in seinem Redebeitrag erneut auf die *Demokratischen Grundrechte* der Bürger*innen hin. Der Senat versucht, nicht nur seiner Meinung nach, diese immer wieder systematisch mit massiver, überzogener, höchst kostenaufwendiger Polizeipräsenz, als kriminelle Vorgehensweisen darzustellen und ausschließlich in eine linksradikale Ecke zu drängen. Dabei gibt es sie mannigfaltig in dieser Stadt, die basis-demokratisch orientierten Menschen, die in der Lage sind das alles sehr viel differenzierter und authentischer zu betrachten und eigentlich den etablierten politischen Strukturen, den politischen Schlammschlachten ohne wirkliche Taten für eine soziale Gesellschaft, ähnlich müde sind wie radikalere Hausbesetzer*innen. Genau dieser Funke, der übertschwappen könnte, wir massiv mit Staatsmacht bekämpft. Dabei scheint es einerlei zu sein, ob ein verantwortlicher Innensenator der CDU oder der SPD angehört.


    https://youtu.be/y8XCEWSwzoM?t=00
    Volle Breitseite 6#

    Lisa Bassenge, längst etabliert in der Jazzszene Deutschlands. Doch ihr Spektrum geht weit über den Jazz hinaus. Ihr Repertoire ist enorm. „Neben klassischem Jazz bewegt sich die Berlinerin stilsicher durch Neo-Chanson, Elektro-Pop und Americana-Songs“ – wird von kompetenter Seite über sie berichtet. Solidarisch mit und vor der Oranienstr. 25 präsentiert sie, begleitet von Kontrabassist Andreas Lang, keineswegs weniger bekannt in der Berliner Jazzszene, u.a. Songs aus ihrem Album „Mothers“, das starke Frauen der Popgeschichte wie Elisabeth Cotten, Irene Kitchings, Joni Mitchell, Lady Gaga, Billie Eilish wiederspiegelt.

    https://youtu.be/UI-RYi0yD5M

    https://youtu.be/9l7QXZ7pp8g
    Volle Breitseite 6#

    Philipp ruft zur Aktion „Bist du es?“ auf.
    Macht Fotos des Protests und verbreitet sie über eure Social Media Kanäle. Der Flyer als PDF zum download – bitte weiterverbreiten


    https://youtu.be/5aG9vasIEuA?t=00
    Volle Breitseite 6#

    Ein Beispiel: Wer etwa 2010 ein Grundstück erwarb und es 2019 wieder veräusserte und zudem das Glück hatte, bzw. die kalkulierte Investition konkret so anlegte, dass es in Friedrichshain-Kreuzberg lag, konnte sein Investment nach knapp zehn Jahren mit mehr als 1500%!!! Gewinn verbuchen. Lorena von der Initiative „23 Häuser sagen Nein“ erläutert Hintergründe.


    https://youtu.be/OIhdFuUeysU?t=00
    Volle Breitseite 6#

    Florian Günther: »Das Wort „Verdrängung“ begleitet uns Urberliner spätestens seit dem Tage an, als spatzenhirnige Provinzpolitiker und deren reiche Gönner beschlossen haben ihrem malerischen Bonn den Rücken zu kehren, um das wiedervereinte Berlin in eine geistige Einöde zu verwandeln, in der sich ihresgleichen wie zu Hause fühlen kann.

    Das nun aber auch ein Denkmal wie der Westberliner Buchladen Kisch & Co verdrängt, also geschliffen werden soll, ist so niederträchtig und beschämend dass wir den verantwortlichen Kretins in die Arme fallen sollten.«


    https://youtu.be/oZDb-sFrz2Q
    Volle Breitseite 5#

    Markus für die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“, die bald die zweite Stufe des Volksbegehrens starten


    https://youtu.be/oKm2mMdDUOk?t=00
    Volle Breitseite 4#

    Die Ausstellung in der nGbK Berlin wurde verlängert und ist täglich von 15-20 Uhr zu sehen. Alle ausgestellten Werke von allen Künstler*innen werden gleichwertig in einem einzigen DIN A1 -Buch zusammengeführt. An diesem kann sich jede und jeder weiterhin mit Empörung, Wut, Liebe und Intelligenz beteiligen, auf das es ein Mega-Soli-Buch wider die Ausbeutung unserer Kieze und den Verdrängungsgversuch des Kulturstandortes Oranienstr. 25 wird.


    https://youtu.be/dos8XFuVgHg
    Volle Breitseite 4#

    Magnus Hengge, unablässiger Aktivist der neueren Stadtentwicklung auf vielen Ebenen, genauso wie diesbzgl. Mitbegründer zahlreicher Stadtinitiativen und Vernetzungen zur aktuellen Protestaktion „Volle Breitseite“:
    Zunächst einmal haben wir ja viel Erfahrung mit dem Kampf für die Stadt in dieser Stadt und es gibt eine direkte Linie der Mieter*innenbewegung der Gründerzeit über die Hausbesetzungs- und Instandsetzungsszene der 70er bis 80er Jahre bis zur Wiederbelebung der Mieter*innen- und Anti-Gentrifizierungsbewegung der Jetztzeit. Diese Kontinuität gibt es auch persönlich und ich freue mich immer, wenn die „Alten“ neben den „Mittelalten“ und den „Jungen“ auf der Straße stehen, um früher einmal erkämpfte Räume heute nicht einfach aufzugeben.

    In all diesen Phasen wurde etwas gemacht, das heute vielleicht „Community Building“ genannt wird, also Aktionen, die Verbindungen zwischen den hier lebenden Menschen wachsen lassen, um in der gemeinsamen Beschäftigung zu begreifen, dass es gemeinsame Probleme, Bedarfe und Anliegen gibt, die es auch gemeinsam zu vertreten gilt. Das ist auch die Leitidee, wenn wir dazu aufrufen, gemeinsam als wehrhafter Kiezdrache durch die Straßen zu ziehen, oder bei einer Aktion, bei der die Gewerbetreibenden der O-Straße zusammen das Licht ausmachen, weil einigen von Ihnen von den Vermieter*innen extreme Mietsteigerungen aufgebrummt werden sollen. Sowas sind eben nicht nur Probleme von Einzelnen, sondern es ist ein Problem für den Stadtteil – für den Kiez – für uns alle hier – das Milieu – wenn äußere Kräfte versuchen, hier ein noch einigermaßen funktionierendes gemischtes Stadtsystem durch fortwährende Preissteigerungen bei den Mieten auszupressen.


    https://youtu.be/fE24ZY7UkLA?t=00
    Volle Breitseite 4#

    Jivamukti Kreuzberg: has got all the same stuff you know and love about Jivamukti Yoga —the same tried and true asanas and sequences, the same top-notch tunes and talented teachers, but there is no mistaking it, the Kreuzberg center radiates with a decidedly funky Kreuzberg vibe. The neighborhood is positively vibrating with life, culture, art and diversity. Jivamukti XBerg boasts one of the primest locations possible—you can find us on Oranienstrasse, one of the liveliest and most exciting streets in town. While Oranienstrasse could probably be dubbed “the street that never sleeps”, our beautiful top-floor studio is hidden just behind it, tucked cozily away in a quiet backyard, thus lending the studio something of an urban oasis feel. […] Text: Jivamukti Yoga Kreuzberg


    https://youtu.be/vSn0J4YrgKE
    Volle Breitseite 4#

    Berlin hat eigentlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber Paris, London, San Francisco und wie sie alle heissen diese Hochburgen der weltweiten Gentrifizierung. Paris als Beispiel scheint sich inzwischen komplett lebensverneinend zu geben. Ist Berlin tatsächlich bereit die große Chance durch die besondere historische Lage wahrzunehmen und aus diesen Erfahrungen zu lernen. oder ist es vielleicht längst zu spät?


    https://youtu.be/ldHgbc-w5FA?t=00
    Volle Breitseite 7#

    Im Rahmen der Protestkundgebung Volle Breitseite #7 für die Oranienstr. 25 singt Marieke Wikesjo, ihres Zeichens Opernsängerin, zwei Arien auf der Bühne des Bürgersteiges einer sehr wichtigen Straße.

    Zunächst die „3%-Arie“, deren Thema oberflächlich betrachtet ein schnöder Erbpachtzins beziffert auf 3% ist, der aber dennoch viel zu hoch und dadurch lebensentscheidend ist für die realistische Finanzierung authentischer Kultur- und Wohnprojekte, nicht nur dieser Stadt.

    Maßgeblich involviert als Laura im „Lauratibor Chor“ und damit auch der Kooperation u.a. der Initiativen Lause Bleibt“ und Ratibor14“ bringt die enorme Stimmdynamik der Sopranistin dabei die ganze Straße, die ganze Protestkundgebung mitsamt Aufnahmetechnik in heftige Schwingungen.

    Oper als Protest – aber ja unbedingt, denn der elementare Stoff der Oper sind die „Existenzen“ – meint Marieke und untermauert diesen Gedanken sehr eindrucksvoll mit ihrer gewaltigen Stimme auf einer Bühne der Bürger, dem Bürgersteig vor der Buchhandlung Kisch & Co, der das so nicht täglich gewohnt ist, es aber wie so viele andere auch schon längst verdient.

    Es geht um den drohenden Verlust der Kulturstandorte und damit sind keineswegs nur elitäre prestigeträchtige subventionierte Kulturtempel gemeint – ohne Bücher, ohne Musik, ohne lebendige Kreativität ohne traditionelles Gebaren, stirbt jegliche Gemeinschaft über kurz oder lang, egal ob in der Stadt oder auf dem Land. Somit ist das drohende Kultursterben inzwischen weit mehr als nur symbolisch für „Gentrifizierung“, eines der hässlichsten Begriffe unserer Zeit.

    mariekewikesjo #lauratibor


    https://youtu.be/tCoA0i4jZkA?t=00
    Volle Breitseite 7#

    Fil wuchs im Märkischen Viertel auf. Bereits mit vierzehn Jahren veröffentlichte er erste Comics und Zeichnungen. Es erscheinen regelmässig Werke von ihm in Zitty oder der Jungle World. Bekannt sind Fils Comics über „Dieter Kolenda“ und „Andreas Stullkowski“ aus dem Märkischen Viertel, die mit Berliner Dialekt unter dem Titel Didi & Stulle von 1997 bis 2015 zweiwöchentlich erschienen.
    Doch auch als Comedian hat er sich einen Namen gemacht, was er eindrücklich und kritisch vor der Oranienstr. 25 beweist.


    https://youtu.be/mq_D84CZZDU
    Volle Breitseite 6#

    Stefan Klein, aktiv u.a. bei der Initiative „GloReiche Nachbarschaft“ und selbst Jurist, erläutert Details zu der am 22. September eingegangenen Klageschrift gegen Kisch & Co. Wichtiger Aspekt dabei, das entscheidende Gericht besteht auf das sonst auch übliche „schriftliche Vorverfahren“, in dem den Parteien die Möglichkeiten gegeben wird sich vorab zur Sachlage zu äußern. Der von Vermieterseite geforderte „kurze Prozess“ ohne diese Vorgespräche wurde also vom Gericht nicht akzeptiert.


    https://youtu.be/6wtZrhi95Fk?t=00
    Volle Breitseite 6#

    »Christiane Rösinger ist wohl der einzige Mensch den ich kenne, der gar keine wirkliche Sprechstimme hat, sondern immer in dem ihr eigenen Singsang spricht, indem all ihre Melodien konserviert zu sein scheinen. Die schon geschriebenen wie auch die noch zu schreibenden.« Quelle: Best of Britta. Sie liest die Geschichte von der guten alten Zeit.


    https://youtu.be/9ij7LdeYYGc?t=00
    Volle Breitseite 6#

    »Und zum Schluss noch der Auffangtatbestand der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit, der wirklich alles und jedes abdeckt. Denn das ist ja gerade das klassische Spekulationsmodell. Man kauft ein Haus mit relativ niedrigen Mieten. Durch die Finanzierungskosten des überteuerten Preises bleibt buchhalterisch nix für die Erhaltungsmaßnahmen übrig. Also ist der Tatbestand gegeben und auch noch der letzte Mieter aus seiner Wohnung gejagt.

    Die neue Norm des § 250 BauGB-E ist keine Mogelpackung, es ist die Büchse der Pandora. Und wenn man dieser Gemeinheit schon einen Namen gibt, dann sollte man sie nicht im „Baulandmobilisierungsgesetz“ verstecken, sondern beim Namen nennen: Es muss „Tschüss-Mieter-Gesetz“ heißen.«


    https://youtu.be/tHM2T80go-s
    Volle Breitseite 6#

    Arndt Beck liest Gerd Papenfuß: »Reichtum macht geizig. Wer Geiz kultiviert, schottet sich ab, kommandiert rum, martert andere, zermartert sich selbst – und stirbt langsam aus.Wer Reichtum akkumuliert kriegt viel Besuch, besonders ungebetenen. Wer dies verhindern will, muss wenigstens für gleichmäßige Verteilung sorgen.«


    https://youtu.be/wtdt36fQXok
    Volle Breitseite 5#

    BERLIN taz | 6. 8. 2020 – Nach 35 Jahren könnte die Geschichte der linken Nachbarschaftskneipe Syndikat in Neukölln enden. Für Freitag um 9 Uhr ist die Räumung angesetzt. Die Kneipe, die als Kiez-Institution gegen Gentrifizierung und Verdrängung gilt, zieht über den Schillerkiez hinaus viele Unterstützer*innen in Berlin an – wie sich zuletzt bei einer Demonstration gegen die drohende Räumung vergangenen Samstag zeigte, an der etwa 2.500 Menschen teilnahmen. Der Protest dagegen scheint der symbolträchtigste des Jahres.


    https://youtu.be/U-oZMeYRkh4
    Volle Breitseite 4#

    Annette Maechtel, Geschäftsführerin der ngbk (neue Gesellschaft für bildende Kunst) , erläutert die Situation des Kulturstandortes.

    Die Gewerbeimmobilie Oranienstraße 25 ist ein Haus mit einer bisher typischen Mieterinnenstruktur, das seit Jahrzehnten einen sozialen und kulturellen Mittelpunkt für das gewachsene Berliner SO36 darstellt. Die heterogenen Mietparteien mit dem Kreuzberger Traditionsbuchladen Kisch & Co, der neuen Gesellschaft für bildende Kunst e.V. (nGbK), dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge, dem Architekturbüro kleyer.koblitz und dem Yogastudio Jivamukti ermöglichen ein breites Spektrum kulturell relevanter Aktivitäten. Das Gebäude ist Treffpunkt, Bildungsstätte und kultureller Ort. Im Herbst letzten Jahres ist die Immobilie, die zuvor im Besitz der Berggruen Holding war, von einem anonymen Luxemburger Immobilienfonds gekauft worden, der offenbar eine flächendeckende Entmietung des gesamten Objektes anstrebt. Die neue Eigentümerschaft versucht mit allen Mitteln anonym zu bleiben. Viele Existenzen sind bedroht, die Mieterinnenschaft und Unterstützer*innen kämpfen um den Kultur- und Kreativstandort.


    https://youtu.be/uXfsuihxj7c
    Volle Breitseite 4#

    Berthold Seliger, seines Zeichens Publizist und Konzertagent, über sein Buch „Vom Imperiengeschäft – Wie Großkonzerne die kulturelle Vielfalt zerstören“.

    Konzerte, Festivals, Clubs & Soziokulturelle Zentren – Kulturraumschutz ist kein Märchen. Seliger meint dazu: „Niemand würde doch auf die Idee kommen die Philharmonie abzureißen, um da Luxuswohnungen zu erstellen […]“

    „Berthold Seliger berichtet über die Neustrukturierung der Märkte in der Musikindustrie. Er nimmt die aktuellen Entwicklungen bei den Konzentrationsprozessen in der deutschen und internationalen Konzertbranche und die dubiosen Tricks im Ticketing zum Anlaß für konkrete Vorschläge, wie man mit konsequenter Gesetzgebung die Machenschaften der Konzerne eindämmen könnte, die die kulturelle Vielfalt gefährden. Seliger erklärt, wie unabhängige Musikclubs, soziokulturelle Zentren und künstlerorientierte Festivals Möglichkeitsräume werden, in denen eine Kultur jenseits der Konzerne stattfinden kann, und wie das Musikstreaming funktioniert. Er beschreibt die soziale Situation von Musikern und Kulturarbeitern und schlägt Lösungen wie Mindestgagen vor. Der Grundgedanke seiner Überlegungen sind immer die Interessen der Musiker und der Konzertbesucher. Nur wenn sich diese gegen die Imperiengeschäfte der Kulturindustrie wehren, wird die kulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft erhalten bleiben.“


    https://youtu.be/bYAU6wUisXM?t=00
    Volle Breitseite 4#

    Ateliergemeinschaft Glogauer Strasse 6: „In den letzten Jahren hat sich die Marktsituation in unserer Stadt im positiven Sinne dynamisch entwickelt. Diese Entwicklung blieb nicht ohne Einfluss auf den Mietmarkt für Gewerbeflächen, insbesondere auch in Kreuzberg. Solche nach dem höchsten Profit orientierten Mieten sind auch für Künstler*innen und Kreative einfach nicht zu tragen!
    Nach mehreren Treffen und Verhandlungsrunden mit einem Mitarbeiter der Kuthe GmbH, um ein neues Angebot zu verhandeln, blieb das Ergebnis negativ, dieses Mal mit der Ansage uns „keine Sonderbehandlung erteilen zu können“. Danach wurde die Kündigung des Mietvertrages zum 31. Mai 2020 durch die Arnold Kuthe Immobilienverwaltungs- GmbH ausgesprochen.
    Wir sind eines der letzten Künstlerateliers in der Glogauer Strasse 6, einem Haus mit einer über 40-jährigen Ateliertradition. […}“ Textauszug aus Petition der Ateliergemienschaft


    https://youtu.be/pe26Ew4pGZk?t=00
    Volle Breitseite 3#

    https://youtu.be/93zFB29j7Lw
    Volle Breitseite 3#

    Meret Becker mit Kai

    was ich habe will ich nicht verlieren
    aber wo ich bin will ich nicht bleiben
    aber die ich liebe will ich nicht verlassen
    aber die ich gerne habe will ich nicht mehr sehn
    aber wo ich lebe will ich nicht sterben
    aber wo ich sterbe da will ich nicht hin
    leben will ich wo ich nie gewesen bin


    Zeilen im experimentellen Gewand der Töne, die zwar plakativ aber doch sehr tiefgründig die derzeitige Zerrissenheit zum Thema haben, obwohl sie aus einer anderen Zeit stammen. Die Zeilen hier betreffen die einen hier genauso wie die anderen dort.


    https://youtu.be/z454sPZkQLg
    Volle Breitseite 3#

    Canan Bayram: „Wenn ihr Geld habt – spült es im Klo runter, macht was wo es anderen nicht schadet – aber zerstört doch nicht die Jobs, die Nachbarschaft, den Lebensraum von Leuten, denen es eben nicht nur ums Geld geht“


    https://youtu.be/B-u9j4ehisg
    Volle Breitseite 3#

    https://youtu.be/T2iD6cwOEM4?t=00
    Volle Breitseite 3#

    https://youtu.be/0tfCrEPtR38
    Volle Breitseite 2#

    https://youtu.be/1a92BK2NCnI?t=00
    Volle Breitseite 2#

    https://youtu.be/hQz40z3x6EY?t=01
    Volle Breitseite 3#

    https://youtu.be/bYN2V34OgYc??t=00
    Volle Breitseite 3#

    https://youtu.be/EKSJt0KC82s?t=00
    Volle Breitseite 2#

    https://youtu.be/3D9AnqVd5Rs?t=00
    Volle Breitseite 2#

    https://youtu.be/xcOqxfRAaFg
    Volle Breitseite 1#

    Connie, Mitinitiatorin nicht nur der Initiative „OraNostra“ zum Gewerbemietrecht: „… das kann man in zwei, drei Sätzen zusammenfassen – es gibt keines!..“

    https://youtu.be/gLyfUdPvA7I
    Volle Breitseite 3#

    https://youtu.be/mp5UyTbgjyU
    Volle Breitseite 3#

    https://youtu.be/ZSCE3sqoDCQ
    Volle Breitseite 2#

    https://youtu.be/UVup2apan-A
    Volle Breitseite 2#

    https://youtu.be/aRIkV8DJ1Cc
    Volle Breitseite 1#

    „Und seit dem ich hier lebe, das sind etwa 25 Jahre, ist diese Buchhandlung immer ein kultureller Brennpunkt …“


    Volle Breitseite 1# – 24. Juni 2020

    https://youtu.be/ALEsTS8YmNg?t=00

    Thorsten Willenbrock, erklärt die Situation der Buchhandlung mit der „langen Geschichte“.
    Die Buchhandlung Kisch & Co besteht bereits seit fast drei Jahrzehnten in der Oranienstraße. Mit ihren zahlreichen Kulturveranstaltungen ist sie nicht nur ein wichtiger Begegnungsort im Kiez und neben anderen alteingesessenen Läden ein Anziehungspunkt für die Nachbarschaft wie gleichermaßen die Tourist*innen. Die Oranienstr. 25 hat eine enorm große Bedeutung für die Kulturstadt Berlin.

  • Gemeinsamer Widerstand – eine Radio Show
    Die Stars des Abends in ihrer ganzen bissigen Farbenpracht

    Der ganze Wrangelkiez hat am Samstag den 14. Nov. 2020 Radio gehört, denn es gab eine ebenso kreative wie informative Radio Show zur Problematik.

    Bizim Kiez, das NaGe-Netz und Kotti e.V. hatten zu dieser Radio Demo gegen Verdrängung aufgerufen.

    Tanzende Kiezdrachen zogen begleitet von einem über 88,4 UKW zeitlich synchron ausgestrahlten Radioprogramm durch die Straßen des Kiezes. Das alles wurde zudem durchgehend über Facebook als Livestream präsentiert. Das neue Format wurde aufgrund der Corona-Pandemie ins Leben gerufen, um trotz Corona-Regeln und den damit verbundenen Personenbeschränkungen, sowie Abstandsregeln gemeinsam gegen das Problem der Verdrängung aus den Innenstädten zu demonstrieren. Denn der drohende Ausverkauf macht offensichtlich keineswegs vor einer Pandemie halt, wie die sich gerade jetzt wieder häufenden Fälle im Kiez deutlich aufzeigen. Denn die Immobilienwirtschaft versucht augenscheinlich die Situation für sich auszunutzen.

    Wahrheiten aus dem Kiez

    Die »widerständige Radiodemo gegen Verdrängung mit Kiezdrachen« wurde über die UKW-Frequenz 88,4 MHz im Radio übertragen. 1,5 Stunden Kiezradio mit Fokus auf die vielen Fälle von Verdrängung im Viertel, die exemplarisch für wichtige Aspekte der Verdrängung stehen, wurden sowohl im Radio Studio, wie parallel bei den Zwischenstopps auf der Straße vor betroffenen Häusern am Mikrofon thematisiert. Gespräche mit direkt betroffenen Hausgemeinschaften sowie Einzelnen und Aktivist*innen aus Stadtinitiativen ergaben in den 90 Minuten der Sendung zusammen mit viel Musik und Songs „aus dem Kiez für den Kiez“ eine kurzweilige Radio Show in der folgende Themenfelder zur Sprache kamen:

    Die Radiosendung kann komplett als audio-podcast hier angehört werden – oder zusammen mit den bunten Bildimpressionen des Umzuges der Kiezdrachen, die in zwei gegenläufigen Routen zeitgleich durch den Kiez zogen, hier im aufgezeichneten Video-Livestream nacherlebt werden (Hinweis: einige wenige Minuten der Aufzeichnung des Livestreams mussten aus urheberrechtlichen Gründen ausgeblendet werden).

    Gemeinsamer Widerstand

    Allen Themen treten wir in Solidarität miteinander entgegen. Nur wenn die Bewohner*innen der Stadt – alle die hier leben und weiterhin leben wollen – gemeinsam gegen die Spekulation kämpfen und Druck auf die Politik machen, haben wir eine Chance gegen die Renditeerwartungen derjenigen, die ihr Kapital gegen uns einsetzen.

    Eine junge Band, die „Kleinkarierten„, die sich sich vor einiger Zeit im Kiez gegründet haben, engagieren sich auf erfrischende kritische Art nicht nur für dieses globale Thema.

    Das gelungene Format der Radio Show spiegelt sich entsprechend
    in den Medien wieder

    Medienecho:

  • So viele organisierte Hausgemeinschaften in Berlin!

    Probleme mit den Vermieter*innen galten viel zu lange als Privatprobleme. Weil aber städtische Verdrängungsprozesse ungebremst voranschreiten konnten, ist das „Mieter*in sein“ heute nicht mehr nur etwas, was zum Leben der meisten Berliner*innen eben dazu gehört, sondern ein politischer Kampfbegriff. Während die Immobilien-Lobby und Politiker*innen eigentumsorientierter Parteien vor Gericht und mit ausgeklügelten PR-Kampagnen versuchen, gegen jeden sozialen Fortschritt in Sachen Mietrecht vorzugehen, organisieren sich immer mehr Berliner Mieter*innen gemeinsam gegen die mächtigen Verwertungsinteressen von Immobilienkonzernen.

    Verdrängung ist kein Privatproblem

    Vor wenigen Jahren noch war, obwohl die mietenpolitische Bewegung schon einiges an Stärke gewonnen hatte, ein Wohnhaus sehr schnell entmietet, wenn die Bewohner*innen eine Modernisierungsankündigung in ihren Briefkästen fanden. War mindestens eine Mietpartei Mitglied in einer der beiden Berliner Mieterorganisationen, dann luden sie wahrscheinlich die anderen Mieter*innen zur Hausversammlung ein, ein*e Anwältin kam dazu, beantwortete Fragen, prüfte die geplanten Baumaßnahmen und beriet mit ihnen das weitere Vorgehen. Hatten die Bewohner*innen ein bisschen Glück, dann lag ihr Mietshaus in einem Milieuschutzgebiet, was wenigstens die luxuriösesten Modernisierungspläne der Hauseigentümer*in ausschließt. 

    Aber selbst, wenn gute Aussichten bestanden, einen Rechtsstreit zu gewinnen, waren die Mietsteigerung nach Abschluss der Bauarbeiten sowie der fehlende Mieter*innen-Schutz für viele Bewohner*innen Grund genug, sich nach einer neuen Wohnung umzusehen. Die verbleibenden Mietparteien erfuhren dann oft weitere Entmietungspraktiken: Wichtige Instandsetzungsarbeiten oder Reparaturen an Haus und Wohnung werden einfach nicht durchgeführt oder, falls die Modernisierung rechtlich unanfechtbar war, beeinträchtigten die Baumaßnahmen das Wohnen auf zermürbende Weise, wie ein aktuelles Beispiel aus der Emser Straße 27 zeigt, und die Hausverwaltung ist überhaupt nicht mehr erreichbar. Leider fehlt es immer noch an langfristig wirksamen Instrumenten, um die Mieter*innen konsequent zu schützen, sei es durch ein Umwandlungsverbot, ein faires Gewerbemietrecht u.v.m. Und so haben die Berliner Kieze auch in diesem Jahr wieder soziokulturelle Räume verloren, Menschen haben ihre Wohnungen verloren, ihre Nachbarschaften, ihre Treffpunkte, ihre Arbeitsräume. Zusätzlich geht die Immobilien-Lobby gerichtlich gegen neue Instrumente wie den Mietendeckel vor, oder gegen deren Anwendung, z. B. die bezirkliche Ausübung des Vorkaufsrechts.

    Stattdessen breite Organisierung

    Immer mehr Stadtbewohner*innen wehren sich gemeinsam dagegen. Das ist auch der jahrelangen Info- und Mobilisierungsarbeit unzähliger stadt- und mietenpolitischer Gruppen in den Berliner Stadtteilen zu verdanken. Mit den Einschränkungen, die uns die Corona-Pandemie auferlegt, sind die Möglichkeiten, uns miteinander austauschen und gemeinsam auf die Straße zu gehen, reduziert, aber dafür findet gerade sehr viel mehr an Info- und Erfahrungsaustausch über die sozialen Medien statt. Hausgemeinschaften, die überall in Berlin verteilt sind, können medial so schnell auf ihre Lage aufmerksam machen, sich mit anderen verbinden, sich auch international mit Mieter*innen-Gruppen solidarisieren. Und vor allem werden sie sichtbar: nicht als einzelne Fälle innerhalb der Berliner Bezirke, sondern als bedeutender Teil der Einwohner*innenschaft unserer Stadt, die es zu schützen gilt.

    Auf Twitter gibt es übrigens eine Liste, auf der mittlerweile rund 100 Berliner Hausgemeinschaften verbunden sind – verbindet euch! Oder, wenn ihr selbst eine Hausgemeinschaft seid, meldet euch bei Luukas, der die Liste erstellt hat und euch bestimmt gerne mit drauf setzt.

  • Nachgelesen: Linksammlung zum Umwandlungsverbot

    Wenn Mietshäuser in Eigentumswohnungen aufgeteilt werden, bedeutet das für die Mieter*innen in der Regel nichts Gutes. Wir haben hier eine nützliche Zitat- und Linksammlung rund ums Umwandlungsverbot für euch zusammengestellt.

    Die Nachricht, dass die Umwandlung von Mietwohnungen in Eigentumswohnungen per Gesetz erschwert werden soll, war aus mietenpolitischer Sicht erfreulich. Dann wurde bekannt, dass Bundesbauminister Seehofer das Umwandlungsverbot aus der Novelle des Baugesetzbuchs streichen möchte. Die Streichung des Umwandlungsverbots wurde nicht nur von der Immobilienlobby, sondern auch von Politiker*innen der Berliner CDU und FDP beworben. Besonders hervorgetan hat sich dabei der Jan-Marco Luczak, rechtspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag und  stellvertretender Vorsitzender der CDU Tempelhof-Schöneberg. In einem Gastbeitrag im Tagesspiegel vom 6. Oktober 2020 schreibt er u.a., dass Eigentum „einen vom Staat unabhängigen Freiheitsraum für eigenverantwortliche Lebensgestaltung“ schaffe und Wohneigentum überdies vor steigenden Mieten schütze.

    Warum mietenpolitische Gruppen aus Berlin Luczaks Argumente für Wohneigentum so gruselig finden, dass sie ihm zu Halloween eine eigene Horrorshow widmeten?
    Zum Nachlesen haben wir hier eine kleine Quellensammlung rund ums Umwandlungsverbot für euch zusammengestellt. Die könnt ihr gerne in den Kommentaren ergänzen:

    „Die Umwandlung in Eigentumswohnungen ist für Mieter*innen ein Horror. Käufer*innen nutzen die Wohnungen als renditeträchtige Anlageobjekte und treiben die Mieten hoch, andere klagen auf Eigenbedarf. Jan-Marco Luczak befördert mit seiner Kampagne gegen ein Umwandlungsverbot die Vernichtung bezahlbaren Wohnraums und die Verdrängung von Mieter*innen“, so Lorena Jonas von der Initiative 23 Häuser sagen NEIN. Mit ihrem kreativen Protest fordern die Initiativen ein wirksames Umwandlungsverbot ohne trickreiche Umgehungsmöglichkeiten. Ob Jan-Marco Luczaks Eigentumsstrategie erfolgreich sein wird, ist fraglich. Der vorliegende Kabinettentwurf weist inzwischen wieder eine Umwandlungserschwernis auf.“

    Gemeinsamen Pressemitteilung für ein wirksames Umwandlungsverbot von Bizim Kiez, Fünf Häuser, Berliner Mieterverein e.V., 23 Häuser sagen Nein, Netzwerk #200Häuser, GloReiche Nachbarschaft

    „Der Berliner Immobilienmarkt boomt seit Jahren. Mieter*innen sind dabei nicht nur von Modernisierungen und daraus folgenden Mieterhöhungen betroffen; sie müssen auch damit rechnen, dass ihre Wohnung bereits in Wohneigentum umgewandelt wurde und als Eigentumswohnung weiterveräußert wird. Das kann dazu führen, dass sie ihre Wohnung wegen einer Eigenbedarfskündigung verlieren. Dieses Infoblatt will die wichtigsten Fragen beantworten und Möglichkeiten des Widerstandes aufzeigen. Weil mutige Mieter*innen manchmal auf Ideen kommen, die ihnen schaden, beginnt dieser Text mit zwei Warnungen:“

    Umfangreicher Glossar vom Netzwerk der 200 Häuser

    „Ohne Umwandlungen gäbe es weniger Kaufangebote und damit auch höhere Preise, so Luczaks Dreischritt. Wie das mit dem ehernen Gesetz von Angebot und Nachfrage zusammengeht, und dass auf Immobilienportalen deutlich mehr Eigentumswohnungen angeboten als gekauft werden und die Preise dennoch nicht sinken, erfährt man nicht.“

    Yannic Walther: Saures für den Mieterschreck.  ND, 01.11.2020

    „Das Umwandlungsverbot trendet und die Immobilienlobby empört sich darüber, dass es mehr Mieter_innenschutz gibt. Für alle, die wissen möchten warum das Verbot der Umwandlung in Eigentumswohnungen (mit anderen Dingen) dafür sorgt, dass niedrige Mieten erhalten werden“ hat Vito Dabisch auf Twitter Argumente zusammengefasst, 27.10.2020.

    „Aus der Perspektive von Mieter*innen scheint der Prozess klar zu sein: Erst die Umwandlung, dann der Verkauf, dann die Eigenbedarfskündigung. Mit dem Blick auf die Zahlen von Umwandlungen und Verkäufen in den letzten Dekaden wird jedoch deutlich, dass in der Summe der Umwandlungs- und Verkaufsaktivitäten, die Umwandlungen den Verkaufszahlen folgen […]Die Entscheidung für einen Umwandlung wird offensichtlich dann häufiger getroffen, wenn die Aussichten auf einen Verkauf als besonders gut eingeschätzt werden. Die Umwandlungen werden so zum Trittbrett, um möglichst schnell auf den fahrenden Zug der steigenden Verkaufszahlen aufzuspringen. Die Mikroperspektive auf die einzelnen Wohnung wird dadurch leider nicht aufgehoben, jede Umwandlung ermöglicht einen Verkauf und erhöht damit das Verdrängungsrisiko der Mieter*innen.“

    Andrej Holm: Umwandlungen und Wohnungsverkäufe als Verdrängungsinstrument. Gentrification Blog, 20.09.2020

  • Kurz-Doku zum Fachtag „Wrangelkiez für Alle!“ vom 06.10.2020 im Kiezanker 36

    Wegen der schwierigen Situationen im öffentlichen Raum im Wrangelkiez haben 51 Fachtags-Teilnehmer*innen – vor allem aus der Nachbarschaft – am  06.10.2020 im Kiezanker 36 eine Reihe von lokalen Perspektiven diskutiert und gemeinsame Grundhaltungen, Lösungsansätze bzw. dringend benötigte Interventionen erarbeitet. 

    Bizim Kiez Strassenversammlung am 8. Juni 2016

    Hier eine kurze Zusammenfassung. Die ausführliche Dokumentation findet ihr auf der Website vom Kiezanker.

    Zu sechs Themenschwerpunkten rund um einen „Wrangelkiez für Alle“ sind Nachbar*innen und Vertreter*innen von sozialen Einrichtungen, der Kitas und der Grundschule sowie Mitarbeiter*innen bezirklicher Fachbereiche (Amt für Soziales, Jugendamt) miteinander in Austausch gegangen. Eingeleitet haben den Austausch Impulse zu den folgenden Schwerpunktthemen:

    • Kinder und Jugendliche – Spielplätze/Nutzung öffentl. Raum
    • Hygiene und Gesundheit
    • Drogenkonsum und -handel
    • Sicherheit im Kiez
    • Müll und Straßenreinigung
    • Obdachlosigkeit im Kiez 

    In kleinen Gruppen kamen die Teilnehmenden anschließend miteinander ins Gespräch. Wichtige Diskussionsgrundlage war es, bei allen Themen auch Perspektiven derjenigen mitzudenken, die nicht selbst beim Fachtag vertreten waren. Gemeint sind damit z. B. Kinder, Jugendliche, Ältere – aber auch obdachlose Menschen, die besonders verletzlich sind und deren Bedürfnisse nicht bzw. nicht ausreichend wahrgenommen werden.

    Gemeinsame Ergebnisse und Grundhaltungen waren unter anderem folgende: 

    • mehr Angebote/Infrastruktur für obdachlose Menschen (Waschhaus, Toiletten, Arztmobil – allen zugängliche und regelmäßig gereinigte Sanitäre Einrichtungen – RECHT AUF HYGIENE)
    • mehr aufsuchende Sozialarbeit, psycho-soziale Arbeit und Beratung, mehrsprachige Vermittler*innen, Konfliktmoderator*innen (akuter Handlungsbedarf: Vertrag der Parkläufer läuft zum Monatsende aus, Arbeitsverträge der Straßensozialarbeitenden sind teilweise befristet bis Ende 2020) 
    • Keine Verdrängung, keine Räumung, kein Abbau von Aufenthaltsorten: dieses Vorgehen verlagert die Konflikte und Probleme ausschließlich in andere Bereiche im Kiez, auf andere Spielplätze, in andere Hauseingänge usw. Es bietet keinerlei Lösung für die Nachbarschaft als Ganzes und den Bezirk. Statt Bänke und Toiletten abzubauen oder Spielplätze und öffentlichen Räume abzusperren, sollen sie regelmäßig gepflegt und gereinigt werden. Probleme an die Polizei auszulagern, ist keine Lösung.
    • Mehr Transparenz: welche bezirklichen Strategien, welche Informationen, welche Gremien, welche Ansprechpartner *innen, welche Zuständigkeiten gibt es und wie können wir die von uns gewünschten Interventionen einbringen?
    • Mehr und regelmäßige Kommunikation: mit vielen Nachbar*innen sprechen und planen – regelmäßig! Abgestimmtes, langfristig sinnvolles Vorgehen mittels moderierter Steuerungsrunden.

    Viele Menschen im Wrangelkiez sind bereit Solidarität zu zeigen und treten für ihre Anliegen ebenso wie für die der besonders schutzbedürftigen Gruppen ein. Dazu gehören Kinder. Dazu gehören aber auch obdachlose Menschen. Den Nachbar*innen ist sehr wohl bewusst, dass es rund um den öffentlichen Raum vielschichtige Nutzungskonflikte gibt. Daher ist ein moderierter und langfristiger Prozess mit dem Ziel eines breit getragenen, solidarischen Handelns unbedingt notwendig.

  • Das Gruselmärchen vom Wohneigentum



    Samstag, 31. Okt. 2020 um 14 Uhr
    vor dem Abgeordnetenbüro von
    Jan-Marco Luczak
    dem schaurigen Fürst der Verdrängung

    Kolonnenstraße 4, 10827 Berlin-Schöneberg

    Weil Mieterinnen sich nicht nur an Halloween fürchten, ziehen sie pünktlich am 31. Oktober mit einer „Horror-Show“ vor das Abgeordnetenbüro des CDU-Bundestagsabgeordneten Jan-Marco Luczak. Der Direktkandidat für den nächsten Bundestag im Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg hatte sich mit seinem Einsatz gegen ein Umwandlungsverbot von Miet- in Eigentumswohnungen gebrüstet: „Ich bin froh, dass das Umwandlungsverbot aus dem Gesetzentwurf gestrichen wurde. Darum habe ich hart gerungen. Mein Ziel ist, mehr Menschen den Traum von den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.“

    Aber in wessen Wänden? Mit einer performativen Kundgebung entlarven Darstellerinnen aus mehreren Mieterinnen-Initiativen Luczaks „Traum“ vom Wohneigentum als „Gruselmärchen“. Sie fordern ein striktes Umwandlungsverbot, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. In schaurigem Ambiente konfrontieren unter anderem eine Rentnerin und eine Krankenschwester einen sprechenden Kürbis mit ihren Erfahrungen. Als blanken Hohn empfinden sie Luczaks Argumentation, Mieterinnen könnten bei der Umwandlung ihrer Wohnungen in Eigentumswohnungen ihr Vorkaufsrecht ausüben. Wie sollten sie die längst spekulativen Marktpreise finanzieren?

    Die Umwandlung der Mietwohnung in Eigentum ist ein Horror, der in Berlin seit 1991 für die Bewohnerinnen von 280.000 Wohnungen real wurde. Ein beliebtes Geschäftsfeld von Konzernen und Fonds, um maximalen Profit mit den Immobilien zu machen. Käuferinnen nutzen die Wohnungen dann als renditeträchtige Anlageobjekte und treiben die Mieten hoch, andere klagen auf Eigenbedarf. Luczak befördert mit seiner Kampagne gegen ein Umwandlungsverbot die Vernichtung bezahlbaren Wohnraums und die Verdrängung von Mieterinnen. Ein Umwandlungsverbot muss her – und das nicht im Tausch gegen neue Überwachungsmaßnahmen, wie es die Große Koalition offenbar vorhat. Notwendig ist ein klares Gesetz zum Schutz der Mieterinnen ohne bisher vorgesehene Ausnahmen zugunsten der Immobilienwirtschaft. Damit das Gruseln mal ein Ende hat.

    * Mehr Infos im Detail zur Veranstaltung hier auf facebook
    * und hier geht es direkt zum Livestream (Alternative)

    Wir laden alle Pressevertreter*innen herzlich ein zur Kundgebung Luczak-Horror-Show:  Das Gruselmärchen vom Wohneigentum am Samstag, den 31.10.2020 um 14 Uhr vor dem Abgeordnetenbüro von Jan-Marco Luczak in der Kolonnenstraße 4, 10827 Berlin-Schöneberg

    Eine Koproduktion von

    • 23 Häuser sagen NEIN
    • 200Häuser Berlin
    • Bizim Kiez
    • NaGe-Netz
    • Gloreiche Nachbarschaft
    • Fünf Häuser
    • Berliner Mieterverein
    • NaGe-Netz
  • Volle Breitseite der Solidarität im Kalenderformat

    Berlin 22. Oktober

    Seit dem Frühling 2020 ist nicht nur das Corona-Virus unter uns, sondern auch die Solidarität im Kiez gegenüber der Buchhandlung Kisch & Co und dem gesamten Kulturstandort Oranienstr. 25. Nachdem das Haus völlig überteuert an einen Finanz-Fonds verkauft wurde, hat die neue Hausverwaltung der Buchhandlung keinen Mietvertrag mehr angeboten. Glichzeitig wurde anderen Parteien im Haus drastische Mietsteigerungen angekündigt. Doch so leicht sind kulturelle Kreuzberger Instanzen nicht zu verdrängen. Zusammen im Bund aus Betroffenen und solidarischen Nachbar*innen wehren wir uns und kämpfen dafür, hier bleiben zu können. Es ist unsere Stadt und unser Kiez!

    Seit Monaten ist das Team der Buchhandlung hartnäckig und bleibt in den Räumen, obwohl sie inzwischen keinen Mietvertrag mehr haben. Die Kraft und den Rückhalt dafür bekommen sie auch sehr stark über die Solidarität der Nachbarschaft und des ganzen Kiezes. Als sichtbares Zeichen dieser Unterstützung haben die lokalen Initiativen gegen Verdrängung Bizim Kiez, OraNostra und GloReiche Nachbarschaft über das NaGe-Netz die Aktion »Volle Breitseite aus dem Kiez gegen Verdrängung« gestartet.

    Gemeinsam und in bunter Vielfalt behaupten wir uns als Kiez

    Wir haben dazu aufgerufen, dass unterstützende Menschen und Gruppen auf einer DIN A1 großen Buchseite zum Ausdruck bringen mögen, was sie zu der Situation zu sagen haben, dass ein gesichtsloses und milliardenschweres Finanzunternehmen unseren beliebten Buchladen verdrängt. Diesem Aufruf sind schon viele gefolgt! Wir haben bisher über 100 Werke bekommen, aus denen wir das einzigartige »Mega-Buch der Solidarität« binden werden.

    Wähle die Bilder, die du für einen Kalender am geeignetsten findest!

    Damit aber alle was davon haben und sich die Bilder stärker verbreiten, möchten wir einen DIN-A3-Kalender für das Jahr 2021 aus den Beiträgen der Vielen machen. Der Kalender soll uns allen Kraft geben mindestens noch ein weiteres Jahr für unseren Buchladen zu kämpfen.

    Leider passen in einen Monatskalender nur 12 Bilder und das heißt, wir müssen auswählen, welche der vielen Kunstwerke im Kalender abgedruckt werden sollen. Aber wer wären wir, wenn wir nicht alle dabei mitstimmen lassen würden? 

    Darum könnt ihr jetzt abstimmen. Die Bilder, die bis zum 31. Oktober 2020 die besten Wertungen erreicht haben, haben gute Chancen in den Kalender zu kommen, der dann bei Kisch & Co zu beziehen sein wird.

    Die Abstimmung

    Alle User können beliebig viele der eingereichten Bilder über ein 1-5-Sternchen-System bewerten. Dieses Bewertungsverfahren, wird bis zum 31. Oktober 2020 laufen. Dadurch entsteht – auch schon während dem Abstimmungsprozess – eine Liste der Besten. Von denen werden wir mindestens 12 aussuchen, um sie im Kalender für 2021 abzudrucken.

    Einfach so viele Sternchen verteilen, wie du willst

    Zum Umgang mit den (euren!) Bildern, haben wir schon beim Aufruf gesagt:

    Alle, die eine „Volle Breitseite« gestalten und bei uns als Solidaritätsbekundung abgeben, geben damit auch etwaige Nutzungsrechte am Bild ab. D.h. wir (die aktionstreibenden Initiativen) können das Bildmaterial z.B. in Social Media Kanälen, Magazinen, Büchern, auf Websites oder anderen medialen Fassungen zeigen, verbreiten und vertreiben. Wir versprechen, etwaige Vertriebserlöse in vollem Umfang in das Betreiben dieser oder ähnlicher Soli-Kampagnen gegen Verdrängung fließen zu lassen. Wenn wir wissen, wer Urheber*in eines Bildes ist, werden wir – wenn gewünscht – die entsprechenden Namen nennen.

  • Projektantrag: Kiezgeschichten in App und Kiezboxen

    Die *Kiezgeschichten* haben eine Chance auf Förderung vom Bund: Sie sind im Ideenwettbewerb der „Gesellschaft der Ideen“.


    Hilf uns mit deiner Bewertung für einen erfolgreichen Projektantrag.
    Du brauchst nur ein paar Minuten, um das Projekt zu unterstützen.
    Ein Projekt aus dem Kiez für den Kiez.

    Direkt zur Bewertung

    Die Chance ist ziemlich gut: die *Kiezgeschichten* bewerben sich mit 39 anderen Ideen, aus denen 20 für den ersten Förderschritt ausgewählt werden. In diesem ersten Schritt sind 6 Monate Zeit und 12.500€ für die Konzeption – also dafür die Idee besser zu machen. Aber Achtung, das Bewertungsverfahren läuft nur noch bis einschl. 21. Oktober. Also bitte schnell bewerten. Und gerne auch teilen.

    Der Kiez bleibt! Weil wir drum kämpfen und einander davon erzählen.

    Nachbar*innen erzählen vom Ankommen, vom Anderssein, vom Widerständig-Werden. Ältere und Jugendliche kommen dafür zusammen und bringen die Kiezgeschichten in physische Boxen und in eine App zum Hören und Nachgehen. Basis ist das Kiez-Intranet, für alte und neue Nachbar*innen.

    Mit den Kiezgeschichten bleibt der Kiez. Seine Orte, Menschen, aber auch Kämpfe und Konflikte werden hörbar, ihnen kann nachgegangen werden. Dafür arbeiten Jugendliche und ältere Nachbar*innen in einer Redaktion zusammen und finden Unterstützung von alten und neuen Nachbar*innen, ergänzt von sozialen Einrichtungen. Wissen, Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven werden dabei größer und machen den Kiez vom Wohnort zum Zuhause. Das geht an physischen Orten (auf Boxen) und digital (als App) – bleibt aber immer vor Ort: im Kiezintranet.

    Auch Leute, die sonst wenig gehört werden, kommen zu Wort. Die Kiezgeschichten verbinden unterschiedliche Gruppen in der Gesellschaft, sind eine lokale Plattform für Nachbarschaftsaustausch, beziehen mehr, besonders ältere, Nachbar*innen mit ein und schaffen so Teilhabe. Dabei wird nicht in Gebende und Nehmende geteilt, sondern es werden Erfahrungen gewürdigt und wichtige Orte im Kiez sichtbar, außerdem fördert das Projekt Jugendliche in ihrer Entwicklung und Ältere im Weitergeben ihrer Lebensgeschichten.

    Erinnern > Was wäre, wenn die Vielen, die schon verdrängt wurden, nicht einfach weg wären, sondern mit ihren Geschichten weiter um den Kiez kämpfen könnten?

    Soli > Was wäre, wenn Nachbar*innen – ältere und Jugendliche – mehr voneinander erfahren und lernen könnten und gemeinsam etwas aufbauen würden?

    Infos und Kontakte > Was wäre, wenn viele Menschen im Kiez sich gegenseitig Tipps geben würden: Wo kann ich hingehen? Wen kann ich anrufen? Wer ist Ansprechpartner*in für dieses Problem?

    Die Kiezgeschichten(Boxen) werden ergänzt von sozialen Einrichtungen, Bezirk und Stadtteilarbeit.

    Der Projektantrag wird unterstützt von Stadtprojekte e.V.

  • Gute Nachrichten für die Ateliergemeinschaft SHOXXXBOXXX

    Von Verdrängung bedrohte Ateliergemeinschaft in der Lehmbruckstraße in Friedrichshain kann bleiben. Nach breiter Unterstützung aus dem NaGe-Netz konnte der Mietvertrag verlängert werden ­zu Konditionen, die für die Künstler*innen von SHOXXXBOXXX gerade noch leistbar sind.

    Die Ausgangssituation von SHOXXXBOXXX

    Anfang März dieses Jahres wandten sich die Künstler*innen der internationalen Ateliergemeinschaft SHOXXXBOXXX an das NaGe-Netz mit der Bitte um Beratung, weil sie Verdrängung fürchteten. Wir luden sie zum nächsten NaGe-Netztreffen ein und dort stellten sie ihren Fall vor:

    Ein Brief von der Hausverwaltung Raumgold kündigte eine Erhöhung der Nettokaltmiete von aktuell 5 Euro auf 15 Euro ab Mitte 2021 an. Für die internationale Ateliergemeinschaft aus Friedrichshain nicht zu stemmen! Sollten sie jedoch der Mieterhöhung nicht zustimmen, würde der Gewerbemietvertrag nicht verlängert, wurde den die Künstler*innen gesagt, müssten bereits Ende September die Räumen verlassen.

    Unterstützung aus dem NaGe-Netz

    Ein Zweck/Motiv des NaGe-Netz, in dem Kiezgewerbetreibende und Kiezbewohner*innen sich gemeinsam engagieren, ist das Teilen von Erfahrungen und Kenntnissen. Die konkrete Problemlage betroffener Gewerbemieter*innen ist oft ähnlich: Das Gewerbemietrecht weist kaum Schutz für die Mieter*innen auf und die existenzielle Bedrohung, die eigenen Produktionsräume zu verlieren, sorgt für große Verunsicherung. Aber aus den Erfahrungen mit ähnlichen Fällen konnten die Aktivist*innen im NaGe-Netz auch im Falle von SHOXXXBOXXX erprobte Methoden empfehlen.

    Während die Ateliergemeinschaft ein Raumkonzept erstellte und gemeinsam mit einem Unterstützungsschreiben von Nachbar*innen an die Eigentümer*innen schickte, rief das NaGe-Netz dazu auf, weitere Soli-E-Mails für SHOXXXBOXXX an die Hausverwaltung Raumgold zu senden. Politiker*innen aus den Bereichen Kultur- und Stadtentwicklung der Bezirks- und Landesebene sollten dabei in cc gesetzt sein.

    Daraufhin meldete sich die Hausverwaltung zunächst sehr empört über diese Schreiben bei der Ateliergemeinschaft und drohte, dass dieses Vorgehen die Verhandlungen gefährde. Doch wie mit dieser erwartbaren Reaktion umzugehen sei, wurde schon vorab mit den Künstler*innen besprochen. Es ist den Eigentümervertreter*innen immer lieber, wenn die Verhandlungen ohne Öffentlichkeit ablaufen, zeigt ein*e Mieter*in aber, dass sie nicht alleine ist, und dass sie sich zu organisieren weiß, stärkt das aber die Verhandlungsposition der Mieter*in, auch wenn die Hausverwaltung Druck aufbaut, indem sie das Gegenteil behauptet.

    Gute Nachrichten für SHOXXXBOXXX

    Wie wichtig es für Mieter*innen ist, sich zu organisieren, ob es nun um Wohn- oder Gewerberäume geht, zeigt sich am Beispiel der Ateliergemeinschaft SHOXXXBOXXX. Knapp einen Monat nach der unerfreulichen Reaktion der Hausverwaltung auf die Unterstützung aus dem NaGe-Netz, meldet sich der Eigentümer telefonisch bei den Künstler*innen: Er habe ihr Raumkonzept gelesen, er sei selbst Kunstliebhaber und wie er hörte, setzt sich auch die Nachbarschaft für die Ateliergemeinschaft ein. Das Ergebnis: Statt Verdreifachung wird die Miete von fünf auf acht Euro erhöht und der Mietvertrag für ein weiteres Jahr verlängert.

    Natürlich ist ein Jahr keine sehr lange Zeit. Aber gerade jetzt, wo auch die Gewerbefrage in der mietenpolitischen Bewegung und während der Covid19-Pandemie immer mehr an Bedeutung gewinnt, heißt das: Ein Jahr mehr Zeit, die Forderungen nach mehr Schutz für Gewerbemieter*innen in die Tat umzusetzen.